Viele integrieren die KI ihrer Wahl mehr oder weniger stark in ihren Content-Prozess und lassen sich von ChatGPT, Claude & Co. Formulierungen vorschlagen. Das kann, muss aber nicht immer hilfreich sein. 3 Erkennungsmerkmale, an denen du sofort merkst, dass ein Text nicht zu dir passt, obwohl deine KI ihn dir vorschlägt, zeige ich dir in diesem Artikel.
Inhalt:
- 1 KI bei der Contenterstellung: Die Effizienz, die oft gar keine ist
- 2 Alles objektiv okay, aber irgendwas fehlt…
- 3 #1: Die KI trifft deine Tonalität nicht oder „Würdest du das wirklich so schreiben?“
- 4 #2: Die KI gewichtet deine Angebote anders als du oder „Ist es wirklich das, worum es dir geht?“
- 5 #3: Die KI nimmt dir dir Freude am Schreiben, nur weil sie schneller ist
- 6 Veröffentlichen ohne KI-Freigabe: Warum wir uns selbst wieder mehr vertrauen dürfen
KI bei der Contenterstellung: Die Effizienz, die oft gar keine ist
Eins vorweg: Diesen Artikel schreibe ich komplett ohne KI, aber das heißt nicht, dass sie bei mir nicht zum Einsatz kommt. Im Gegenteil war sogar ein Text, den meine KI mir für mein Business vorschlug Anlass, ihn zu schreiben, denn ich habe eine interessante Beobachtung gemacht.
Alle loben ja die unfassbare Effizienz, die wir durch KI wie Claude, ChatGPT & Co. in unseren Content-Prozess bekommen können. Stimmt auch zum Teil, denn die schreiben schneller als ich mir meinen ersten Absatz überlegt habe und ich bin durchaus geübt im Schreiben. Im Wettbewerb „Wer schreibt den Blogartikel schneller?“ würde ich also gnadenlos gegen die KI verlieren und das auch als ausgebildete Texterin.
Trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit, denn KI bei der Contenterstellung kosten an anderer Stelle sehr oft richtig viel Zeit, was die Effizienzrechnung nicht mehr ganz so rosig aussehen lässt. Nämlich da, wo wir ewig hin und her überlegen, ob dieser Entwurf nun wirklich der beste für unser geplantes Projekt ist.
Der beste im Sinne von, der holt das für uns raus, was wir erreichen wollen, z.B. Rückmeldungen, dass unser Text geteilt wird, ein Angebot gebucht usw.
Allein das kostet viele Selbstständige nämlich nicht nur ein kurzes „Schreib mir bitte xy“, zurücklehnen, Kaffee schlürfen, copy & paste, fertig. Nein, denn es könnte ja sein, dass der erste Wurf noch nicht gut genug ist. In der Praxis lässt man die KI dann nicht nur einen Text schreiben, sondern mehrere und fragt vielleicht sicherheitshalber auch noch eine zweite oder dritte KI nach deren Vorschlägen – die könnten ja NOCH besser sein. Das kostet massig viel Zeit, von anderen Ressourcen ganz zu schweigen.
Und es nimmt uns etwas, das ich extrem alarmierend finde: das eigene Urteilsvermögen. Ja ich fürchte wir sind bereits mittendrin, die Bewertungshoheit, was ein guter und was ein schlechter Content für unser eigenes Business ist, der KI zu übertragen. Also der Instanz, die ihre Rückmeldungen aus bereits bestehenden Daten zieht.
Kann das wirklich sinnvoll sein? Und ist es nicht schade bis beängstigend, wenn wir uns selbst nicht mehr zutrauen, unser Werk zu bewerten oder dies eben in menschliche Hand zu geben von jemandem, der sich mit Texten auskennt und uns an der Stelle aushilft?
Alles objektiv okay, aber irgendwas fehlt…
Das andere Ding ist aber, dass KI-Texte oft rein auf die äußeren Rahmenbedingungen – Aufbau, Länge, Argumentation etc. – aufbaut, diese auch solide abhakt, aber die Texte dann oft trotzdem nicht passen. Dieser Faktor ist ein eher softer, doch kein minder gravierender. Vielleicht hast du schon mal erlebt, dass alles augenscheinlich ok war, sich aber einfach nicht stimmig anfühlte. Das passiert bei KI-Texten am laufenden Band, auch wenn dich deine KI „kennt“ und um dein Thema, deinen Ansatz und deine Charakteristik weiß.
Und dann?
Gute Internettexte bzw. Webtexte sind vor allem dann gut, wenn sie zu dir und deinem Business passen. Zunächst hilft es deshalb zu erkennen, woran es liegen könnte, dass deine KI einen guten, aber eben nicht DEINEN Text erschaffen hat. Sehr häufig liegt die Ursache an folgenden 3 Dingen:
#1: Die KI trifft deine Tonalität nicht oder „Würdest du das wirklich so schreiben?“
In meinem Beispiel war dieser Punkt der ausschlaggebende, sodass ich sagte: Ne, das passt einfach hinten und vorne nicht, obwohl die KI mich kennt. Wenn du einen KI-generierten Text vor dir siehst, frag dich also ruhig mal ganz direkt: „Würde ich das so schreiben?“
- Oder ist die Länge der Sätze eine für dich komplett untypische? Kann man so machen, „du“ machst es aber eigentlich anders?
- Sind Worte enthalten, die du so nicht wählen würdest, auch wenn sie im Prinzip inhaltlich schon ok sind und reinpassen?
Wenn du die oben genannte Frage mit einem „Nein, würde ich nicht“ beantworten würdest, dann ist der Text einfach nicht dein Text und dann solltest du dich mit diesem auch nicht zufriedengeben, sondern ihm selbst deine typische Tonalität schenken.
Heißt nicht, dass du alles von A bis Z komplett selbst machen musst; du kannst natürlich auch auf einem KI-Entwurf aufbauen und deine charakteristische Tonalität selbst ergänzen und passendere Begriffe einfügen.
#2: Die KI gewichtet deine Angebote anders als du oder „Ist es wirklich das, worum es dir geht?“
Deine KI lernt dich im Laufe der Zeit ja immer besser „kennen“ bzw. sammelt eben alle möglichen Fakten über dich, dein Business, dein Angebot. Doch auch hier ist es oft eben so, dass es Zwischentöne gibt, die du vielleicht nirgends protokolliert hast, aber dennoch sind die in dir gefestigt und wichtig.
Das kann zum Beispiel das Gewichten deiner Angebote oder auch der Zielgruppenbedürfnisse sein. Vielleicht hat deine Zielgruppe sowohl das Bedürfnis nach Wachstum als auch nach Sicherheit. Die KI stuft ersteres als wichtiger ein und richtet den Text danach aus, dass alles hin zum Wachstum orientiert formuliert wird. Du findest das dann vielleicht auch wichtig, aber den anderen Faktor wichtiger. Du selbst würdest die Sicherheit viel stärker betonen. Klar, kannst du die KI nun bitten, das abzuändern und in die Ist-es-nun-gut-genug-Schleife einsteigen. Aber oft bringt es bessere Ergebnisse, wenn du deinen eigenen Schwerpunkt und deine Priorität selbst einbringst.
#3: Die KI nimmt dir dir Freude am Schreiben, nur weil sie schneller ist
Wir müssen nicht darüber diskutieren, wie irre praktisch es ist, die KI für die Contenterstellung heranziehen zu können und wie viel Zeit das (wenn wir nicht in diese ewige Doppelt-und-dreifach-absichern-Spirale von oben gelangen) sparen kann. In der Selbstständigkeit gibt es ja auch echt viel zu schreiben und das hilft definitiv.
Aber wenn du merkst, dass dir die KI die Freude am Schreiben nimmst und irgendwas in dir flüstert „Ach, den Text hätte ich eigentlich gerne selbst geschrieben, aber das macht man ja heute nicht mehr“, dann nimm das ernst. Du darfst deinen Schreibprozess behalten und wenn du eben länger brauchst als die KI – du wirst es überleben und das wird dein Business nicht zerstören.
Denn bei aller Effizienz glaube ich daran, dass die Energie des Entstehungsprozesses auch mit im Endprodukt landet. Deine Freude zum Beispiel, deine Lust für die Menschen, die dir zuhören etwas zu erklären – nenn es altmodisch, aber Energie lügt nicht. Gerade bei Solo-Selbstständigen steckt meiner Meinung nach hier sogar ein unfassbar großer Schatz, der uns von „Texten, die ja aus Effizienzgründen nirgends mehr selbst geschrieben werden“ unterscheidet. Gib Arbeit ab, na klar. Aber nicht das, was du am Prozess des Kreierens liebst.
Veröffentlichen ohne KI-Freigabe: Warum wir uns selbst wieder mehr vertrauen dürfen
Als ich vorhin zum Ende des letzten Absatzes kam und nur noch dieses Fazit offen war, klopfte schon ein kleiner irgendwo automatisierter Gedanke an, der mir zurief: So, schicks nochmal schnell durch die KI und dann kannst du es in den Blog packen. Dabei mache ich das gar nicht mal automatisiert, aber in dieser Welt mit ihren Möglichkeiten das zu tun, verändert sich auch das eigene prozessuale Denken und immer öfter wird die KI wie von selbst mitgedacht.
Das kann ja auch oft helfen, aber ist auch längst nicht immer angebracht. Und so veröffentliche ich diesen Text nun ganz ohne Freigabe in dem Risiko, dass mir Claude, ChatGPT & Co. noch ein tolles Argument geliefert hätten, das ich im Moment des Schreibens gar nicht auf dem Schirm hatte. Macht das den Artikel nun schlechter? Ich denke nicht, denn er geht nun ohne das Risiko in die Doppelt-und-dreifach-absichern-Spirale zu geraten ganz in Ruhe online und dort wartet er auf dich, ob er dir vielleicht ein bisschen weiterhelfen darf, dort, wo du gerade stehst.
Also: Nur Mut, deinem eigenen Urteilsvermögen und deiner eigenen Entscheidungskraft zu vertrauen. Du kennst dein Thema, du kannst und darfst das auch alleine entscheiden. Nach wie vor.







Herzlichen Dank Sonja für diesen Artikel.
Mir ist auch schon passiert, dass ich mit etwas zufrieden war und nachdem ich durch die KI geschickt habe völlig verunsichert. Ich nehme den Impuls mit wieder mehr daran zu glauben „ich bin ich und so wie ich bin, bin ich gut genug“ und meine Texte auch ;-). Meine Texte dürfen weiterhin natürlich wachsen. Auch ich werde trotzdem KI weiter benutzten und zwar zum Brainstormen, Ideensortieren, Prozessen etc.
Hallo Alexandra,
oh ja, es passiert so schnell, oder? Schön, dass du dir diesen neuen Impuls mitnehmen konntest. Du bist auch gut und machst das gut. 🙂
Herzliche Grüße
Sonja