Transkript der Folge:
Sonja Mahr:
Ja, hallo. Schön, dass du da bist. Schön, dass du uns zuhörst in diesem Fall, denn ich habe heute einen wunderbaren Gast. Karin Graf-Kaplaner ist hier. Ganz herzlich willkommen Karin. Schön, dass du da bist.
Karin Graf-Kaplaner: Danke, liebe Sonja, dass ich bei dir im Podcast sein darf.
Sonja Mahr: Ja, sehr gerne. Wir haben ja heute ein richtig spannendes Thema, finde ich, und ich bin superfroh, dass wir darüber sprechen können. Nämlich die Frage „Müssen wir als Selbstständige in Zeiten von KI eigentlich immer schneller werden? Oder ist vielleicht das Gegenteil auch eine gar nicht so schlechte Idee?“ Das können wir ja im Gespräch beleuchten. Und du bist ja Slow-Business-Mentorin und du unterstützt selbstständige Frauen dabei, nachhaltigen Business-Erfolg aufzubauen, ohne auszubrennen, was ich per se schon mal eine richtig großartige Idee, einen großartigen Ansatz finde. Und ist es aus deiner Einschätzung so, dass erhöhte Geschwindigkeit, dieses hohe Tempo beim Business-Aufbau der Nummer-eins-Grund ist, um dann auszubrennen? Oder wie schätzt du das ein?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, das ist spannend, dass du das fragst, weil da gibt es sicherlich verschiedenste Gründe. Aber ein ganz wichtiger Grund ist, dass vor allem wir Frauen von uns verlangen, dass das Business so schnell wie möglich läuft und dass wir natürlich auch sehr wenig Vorbilder haben, die es uns vormachen, wie es in einer, sage ich jetzt einmal, gesunden Art und Weise geht. Also gerade auf Instagram haben wir ja ganz stark diese Vorbilder, die uns immer wieder sagen, du musst in kürzester Zeit fünfstellige Umsätze machen zum Beispiel. Und das führt dann dazu, dass viele Frauen, die dann auch oft bei mir landen, wenn sie jetzt zum Beispiel vierstellige Umsätze machen und, keine Ahnung, drei, vier, fünftausend Euro im Monat machen, sich damit schlecht fühlen, weil sie der Meinung sind, das wäre ja dann noch immer kein richtiges Business.
Und das treibt uns alle, glaube ich, so an. Und es ist aus meiner Sicht eine sehr große Herausforderung, sich da auch immer wieder bei der Nase zu nehmen und dagegenzustellen und zu sagen, hey, das passt aber nicht für mich und ja, das tut mir nicht gut und deshalb gehe ich einen anderen Weg.
Sonja Mahr:
Ja, das ist so spannend. Also gerade, was du über Instagram sagst, ich kann es total unterschreiben. Ich höre das auch, sagen wir mal, hinter verschlossenen Türen ganz häufig, aber vorne ist dieses Wow, bei allen läuft es so gut und so schnell und die wuppen das, drei Kinder, eigenes Business, alles mögliche anderes. Also ich glaube, das ist sicher auch ein feministisches Thema, wenn wir über Businessaufbau von Frauen sprechen und diese Doppel-, Dreifach-, Zehnfachbelastung, die wir so wuppen und denken, easy stemmen zu müssen.
Und das mit den Vorbildern finde ich auch einen interessanten Aspekt, dass wir uns vielleicht auch an Menschen orientieren, die uns in unserer Situation gar nicht als Vorbild taugen. Das hast du so gemeint, oder?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, und es gibt aus meiner Sicht nur Extreme.
Also entweder die, die komplett aussteigen, ihr ganzes Hab und Gut verkaufen, sich irgendwo in der Mitte in Schweden im Wald ein Häuschen kaufen und dort die eigenen Kartoffeln anbauen oder diejenigen, die eben in kürzester Zeit Millionen Umsätze machen. Und mir fehlen so diese Vorbilder dazwischen, wo es eben immer wieder so Phasen gibt, wo du wirklich schaust, dass du deine Dinge vorantreibst und dann aber auch wieder Phasen, wo du zur Ruhe kommst, wo du dich um dich und deine Gesundheit kümmerst.
Inhalt:
- 1 Ein Burnout, der das (Business-)Leben in ein Davor und Danach teilte
- 2 Voraussetzung für Business-Wachstum: Das Business an die eigenen Lebensumstände anpassen
- 3 KI und ihr Einfluss auf die Selbstständigkeit
- 4 Mut zum eigenen Tempo und KI fürs eigene Business nutzen: So kann es gelingen
- 5 Der riesengroße Faktor „Umsetzung“ und was KI dabei nicht abnimmt
Ein Burnout, der das (Business-)Leben in ein Davor und Danach teilte
Sonja Mahr:
Ja, sehr wichtig.
Ich habe vorhin das Thema Ausbrennen erwähnt und es ist so, dass du deinen eigenen Burnout, den du durchlebt hast, sehr offen teilst. Wie ist es dir damals ergangen? Wie ist es dazu gekommen und wie hat das vielleicht auch dein Business und dein Leben verändert?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, ich fange gleich einmal von hinten an. Das hat mein Leben vollkommen verändert.
Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich mein Leben in zwei Teile teile, nämlich das vor dem Burnout und das danach. Das sind einfach zwei unterschiedliche Leben, würde ich sagen. Ich war immer so eine robuste Natur und habe mir immer gesagt, mich kann so schnell nichts umhauen.
Dann haben unterschiedlichste Faktoren zusammengespielt. Ich war da schon Mutter von einer dreieinhalbjährigen Tochter und hatte dann auch eine Fehlgeburt und so weiter. Es sind viele Sachen zusammengekommen. Das weiß ich heute, das wusste ich damals nicht. Eines meiner Kompensationsmechanismen ist, mich wirklich in die Arbeit zu stürzen. Das habe ich damals getan, um den Schmerz zu verdrängen.
Das hat dann wirklich dazu geführt, dass ich ausgebrannt bin. Dann ging wirklich von einem Tag auf den anderen nichts mehr, wirklich nichts mehr. Jeder, der das noch nicht erlebt hat, kann sich das nicht vorstellen, wie gefährlich das ist und wie lange vor allem auch diese Regenerationsphase – das hat Jahre gedauert –, dass ich wieder das Gefühl hatte, meine Energie ist wieder zurück.
Ich bin nie mehr die Alte geworden, das ist gut so, aber zumindest, dass ich wieder sehr leistungsfähig bin und so weiter.
Sonja Mahr:
Danke fürs Teilen und die Offenheit. Wie lange ist das jetzt her, dein Burn-out?
Karin Graf-Kaplaner:
Das ist ein bisschen über zehn Jahre her.
Sonja Mahr:
Aber auch wichtig zu wissen, dass es dann einfach nicht, okay, jetzt war das mal so und jetzt klappt schon wieder alles, sondern du sagst ja, es gibt ein davor und ein danach und es musste anders dann weitergehen. Was gab es denn dann für Dinge, die du für dich vielleicht angepasst hast, um nicht wieder da reinzugeraten?
Karin Graf-Kaplaner:
Was ich zum Beispiel mache, und das fragen mich auch ganz viele Frauen im Business-Mentoring, wie planst du denn deine Wochen, damit du nicht in die Überlastung kommst? Und ich plane grundsätzlich meine Tage immer so, als hätte ich wenig Energie. Und alles, was dann on top noch zusätzlich möglich ist, ist cool, ist super.
Aber ich plane grundsätzlich nicht so, weil das merke ich eben ganz oft auch, wenn ich mit Frauen spreche, auch wenn es Familie gibt und so weiter, als würde alles glatt laufen. Weil, sind wir uns mal ehrlich, irgendwas ist immer. Dann fühlt man sich selbst nicht so gut oder man hat gerade seine Menstruation oder die Kinder waren in der Nacht wach oder man schläft selbst nicht so gut.
Irgendwas ist immer. Und so zu planen, dass 100% der Energie da ist und keine Dinge von außen passieren, das hat bei mir ganz oft dazu geführt, dass ich mich dann völlig überlastet habe. Und deshalb plane ich einfach auch viel, viel vorsichtiger und achtsamer.
Das ist zum Beispiel eine Sache, die sich verändert hat.
Sonja Mahr:
Aber sehr wertvoll. Ich muss daran denken, als ich noch frisch selbstständig war, da habe ich mich immer nicht so richtig getraut, mit vielen Puffern zu planen und war dann immer so fertig, wenn da noch was kam und da noch was kam.
Und die Kinder waren auch noch kleiner. Und ich fände das schon eine ganz tolle Message, wenn wir vielleicht vermitteln können in diesem Gespräch: Es ist keine Schwäche, Puffer einzuplanen oder wenig als, das wäre gut, wenn es klappt, zu planen, sondern absolut sinnvoll und auch für die eigene Gesundheit vorsorgend.
Also das sollte vielleicht der Normalfall sein und nicht die Ausnahme, dass wir uns weniger aufschreiben.
Karin Graf-Kaplaner:
Absolut. Und weil du jetzt gesagt hast, die eigene Gesundheit, das finde ich ja so spannend. Bei diesen Schneller-höher-weiter-Business-Coaches“ spielt ja die eigene Gesundheit ganz selten eine Rolle. Die ist aber die Basis, weil wir wissen, dass, wenn es uns gesundheitlich nicht gut geht, egal ob es jetzt mental oder körperlich ist, dann funktioniert unser Business nicht. Wir können als erschöpfte Frauen, das sage ich immer wieder, nicht erfolgreich sein. Das geht einfach nicht. Das eine geht mit dem anderen nicht zusammen. Und deshalb sollte ja das die Basis sein, nämlich alles rund um unsere Lebensrealität zu planen, damit wir an unserer Kraft bleiben, weil dann geht auch was weiter.
Sonja Mahr:
Ja, absolut, total wichtig. Danke, dass du es nochmal so betonst.
Jetzt ist es ja so, nehmen wir das mal als Basis, dass wir gleichwohl in einer sehr schnellen Welt leben.
Also ich habe manchmal das Gefühl, es wird jeden Tag schneller und lauter und noch mehr, was wir so tun und mit Leichtigkeit on top erledigen sollen. Man ist manchmal dazu verleitet, dass man selbst eben auch das Tempo anziehen muss, dass man selbst auch immer schneller werden muss, weil eben die Welt um uns rum ja auch nicht stehenbleibt und wir auch nicht abgehängt werden wollen. Können wir uns das heute überhaupt noch erlauben, dieses auf die eigene Gesundheit achten, dieses ich plane mit vielleicht etwas mehr Puffern und Freiraum, ich gehe in meinem Tempo vor? Oder müssen wir vielleicht, so schade das natürlich wäre und vielleicht auch fatal, diese „Kröte schlucken“ und uns an dieses schnellere Tempo gewöhnen?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, das ist eine sehr, sehr interessante Frage und vielleicht können wir so ein bisschen skizzieren, was wäre denn, wenn wir wirklich diesem Tempo folgen und gegen unsere Natur arbeiten? Das heißt, in der Nacht arbeiten und zu versuchen, möglichst schnell groß zu werden mit dem Business und so weiter, wir zahlen dafür einen Preis.
Und ich glaube, die wahre Stärke liegt für mich nicht darin, immer schneller zu werden und mich immer besser dem Tempo anzupassen. Die wahre Stärke liegt für mich darin, zu erspüren, was ist denn mein Tempo, was kann ich mir zumuten, was führt dazu, dass ich möglichst produktiv bin und dann eben wirklich den Mut zu haben, diesen eigenen Weg zu gehen. Also das wäre das, was für mich eigentlich die Stärke bedeutet und nicht zu schauen, wie kann ich mich so zwingen, dass ich dem Tempo entspreche, das mir von außen vorgegeben wird.
Ist ein bisschen rebellisch, ich weiß.
Sonja Mahr:
Aber sanft rebellisch, ja, für sich selbst betrachtet zumindest. Das finde ich ganz wichtig und ich musste gerade an einen Kontext aus meinem Bereich denken.
Die Kundinnen kommen häufig zu mir und sagen, ja, das mit dem Bloggen, da muss ich doch aber mindestens jede Woche bloggen oder Social Media ist ja noch krasser, da muss man ja jeden Tag, wenn nicht mehrfach jeden Tag posten. Und das führt dann oft dazu, dass sie von Anfang an entmutigt sind, vielleicht mal so ein, zwei, drei Wochen dieses Augen-zu-und-durch-Modell fahren und sagen, komm, dann ziehe ich das jetzt mal durch, aber dann dotal fertig sind am Ende und davon haben sie ja nichts.
Also weder Sichtbarkeit noch für sich selber was gewonnen. Sich da bewusst zu machen, du hast es gerade gesagt, dieses eigene Tempo, das ist immer der Maßstab. Und unser Tempo ist eben nicht komplett vergleichbar mit dem Tempo eines anderen.
Und ja, ist rebellisch, glaube ich schon. Also ich persönlich habe es auch so oft, dass ich denke, wow, wie weit sind die denn schon wieder? Und ja, ich bin ja recht früh Mutter geworden im Verhältnis, glaube ich, für heutige Zeiten und da habe ich mich dann immer mit kinderlosen Selbstständigen verglichen, auch wenn die natürlich andere Belastungen haben können, aber Kinder hatten sie zumindest nicht, das war mir klar und dachte: Wow, ich kriege das aber nicht hin und ich kann dann einfach auch irgendwann nicht mehr und habe mich dafür schlecht gefühlt. Dabei ist es einfach ein anderes Tempo.
Voraussetzung für Business-Wachstum: Das Business an die eigenen Lebensumstände anpassen
Karin Graf-Kaplaner:
Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass wir das erkennen. Und für mich ist es tatsächlich so, ich habe mit schon sehr, sehr vielen Frauen in Business Mentoring gearbeitet und in den allermeisten Fällen funktioniert das Business nicht deshalb nicht, weil die Frauen zu langsam sind oder zu undiszipliniert oder man hört dann auch oft so, ich prokrastiniere und so weiter, sondern es funktioniert nicht, weil es nicht an die Lebensumstände angepasst ist. Also beziehungsweise, ich sage das jetzt noch ein bisschen schärfer, weil viele Frauen einfach nicht akzeptieren wollen, in welchen Lebensumständen sie gerade sind.
Und wenn ich jetzt zum Beispiel eine chronische Erkrankung habe oder zu pflegende Angehörige oder ich hatte einen Burnout oder ich habe zwei kleine Kinder, dann kann ich nicht von mir verlangen, das gleiche Tempo zu haben wie jemand, der jetzt keine Kinder hat zum Beispiel. Und das ist natürlich auch etwas, was unfassbar weh tut, dem Ganzen dann ins Auge zu blicken und das mache ich dann auch oft mit den Frauen und dann zu sehen, oh Gott, ich habe eigentlich wirklich nur 13 Stunden in der Woche für mein Business zur Verfügung. Und die Hälfte davon ist vielleicht eben Marketing, Administration und die andere Hälfte kann ich in Produkte stecken.
Und diese nackte Wahrheit, die ist nicht sehr angenehm, aber die ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, um dann tatsächlich auch etwas zu erschaffen, was Früchte trägt.
Sonja Mahr:
Ja, ganz wichtig, da auch mal so einen realen Vergleichsrahmen vielleicht zu schaffen. Ich sage ganz häufig, wenn wir uns schon vergleichen, dann aber nicht nur zu unseren Ungunsten, sondern dann auch fair.
Also dann dürfen wir nicht nur vergleichen, was schafft jemand anders, sondern auch, wie sind denn die anderen Bedingungen? Wie sind meine Bedingungen?
Karin Graf-Kaplaner: Richtig. Ja, ganz wichtig.
Sonja Mahr: Okay, jetzt haben wir so ein bisschen über die Geschwindigkeit gesprochen und ich sage jetzt einfach mal gemeinschaftlich beschlossen, wir machen da nicht mit. Wir machen unser eigenes Tempo und laden euch als Zuhörende auch ein, euer Tempo herauszufinden und zu fahren. Wenn jetzt aber nicht die Geschwindigkeit das Wichtigste ist beim Businessaufbau, was sind so aus deiner Sicht, du begleitest ja gerade dabei, nachhaltig stabil ein Business aufzubauen, was sind so die wichtigsten Schritte, unabhängig von der Geschwindigkeit, die wir berücksichtigen dürfen?
Karin Graf-Kaplaner:
Die wichtigsten Schritte sind für mich tatsächlich, sich unterschiedlichste Bereiche anzuschauen.
Also ein Bereich ist zum Beispiel Marketing, ein Bereich sind die Angebote, ein Bereich ist das Mindset und so weiter. Und ich vergleiche das immer so mit so einem Mobile, also ein gut laufendes Business ist ein Mobile, das in sich rund schwingt. Und es gibt einfach, und das ist auch vielleicht nicht so eine gute Nachricht, ganz, ganz viele unterschiedliche Bereiche in jedem Business, für die ich meinen eigenen Weg finden darf, die dann gut laufen dürfen, weil sie auch ineinander greifen, damit das Ganze wirklich dann auch profitabel läuft.
Und wenn eine oder zwei Bereiche in Schieflage sind, dann kann das schon dazu führen, dass das nicht so gut funktioniert. Das heißt, was ich dann tatsächlich auch mache, ist, dass wir uns all diese Bereiche Schritt für Schritt anschauen und in bestimmten Spezialbereichen empfehle ich dann auch Kolleginnen weiter und so weiter, weil ich kann jetzt nicht überall Expertin sein. Da gibt es dann wirklich für die unterschiedlichen Bereiche auch die Expertinnen, so wie du für das Marketing bist.
Und wenn wir rundlaufen, dann merke ich, und das ist so schön, weil das habe ich schon wirklich viele Male erlebt, dann kommt so eine Ruhe ins Business. Das ist einfach für mich ist das, also Umsätze sind super wichtig, weil für mich das auch ein, du hast es am Anfang gesagt, ein sehr feministisches Thema ist, also wirklich auch Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit zu begleiten. Dafür braucht es regelmäßige Umsätze. Das ist klar, das können wir nicht wegdiskutieren. Aber wo es sich dann wirklich zeigt, ob ein Business gut läuft, ist, ich weiß nicht, ob du das bei dir auch erlebt hast, wenn so eine Ruhe reinkommt und du weißt, was zu tun ist und du machst deine Dinge, du hast nicht das Gefühl, oh Gott, überall muss ich Feuer löschen und da läuft es nicht und da müsste ich nochmal irgendwie alles umkrempeln, sondern es kommt dann so eine Ruhe rein. Und das ist eigentlich das Ziel, das ich mit den Frauen meistens verfolge.
Sonja Mahr:
Kann ich bestätigen. Also diese Ruhe lässt uns, glaube ich, auch diese Wellen, die einfach natürlicherweise da sind, viel besser durchleben oder aushalten, weil wir wissen: Ich weiß, was wichtig ist, ich weiß, was ich mache, genau das mache ich und ich habe da so eine Orientierung, was welchen Bereich betrifft. Ich finde, das ist ein ganz starkes Bild mit diesem Mobile.
Ich glaube, das kann sich jeder gut vorstellen. Und was eben auch häufig passiert, also zumindest erlebe ich das so, dass in einem Bereich manchmal ganz viel gemacht wird und es wird sich dann gewundert „Aber ich mache ja schon so viel, warum passiert denn nichts?“ und ein anderer in diesem Mobile vielleicht wird dann komplett vergessen und dann gibt es ja auch so eine Schieflage. Also ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man sich das vor Augen führt.
Es ist nie nur Marketing, es ist nie nur ein anderer Bereich, sondern es sind ganz viele, die eben zusammenspielen. Ja, danke für das Bild. Ich hoffe, das könnt ihr euch mitnehmen als ZuhörerInnen. Ich werde es auf jeden Fall mitnehmen, ein richtig schöner Vergleich.
Jetzt haben wir über Stabilität gesprochen und es gibt ja gerade in unserer Zeit einen Faktor, der vielen Hilfe verspricht und sie stürzen sich drauf und sagen, yes, endlich geht es leichter, nämlich die KI, künstliche Intelligenz. Ich erlebe das gerade bei der Content-Erstellung, ach, Texte selber schreiben, das kann doch die KI jetzt für mich machen und in ganz vielen anderen Bereichen ja auch.
Wie würdest du sagen, verändert sich Selbstständigkeit gerade auch durch künstliche Intelligenz, auch durch die Zeiten, in denen wir leben, durch wirtschaftlich unsichere Zeiten? Kann KI uns da wirklich eine Hilfe sein, kann sie eher eine Belastung sein oder irgendwas von allem? Wie ist da deine Sicht?
KI und ihr Einfluss auf die Selbstständigkeit
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, also ich möchte vorausschicken, das ist mir wirklich sehr, sehr wichtig, bevor ich etwas dazu sage, ich bin digitale Optimistin. Das heißt, ich liebe Technologie. Ja, das war schon immer so, es hat mir immer schon gefallen, das hat mich immer schon fasziniert und ich sage auch heute zu meinem Mann, ich finde es so schade, dass ich in 100 Jahren nicht mehr leben werde, weil ich dann all diese neuen Entwicklungen und so weiter nicht mitbekommen werde.
Also das heißt, das möchte ich vorausschicken. Gleichzeitig sehe ich aber gerade, dass das aktuelle KI so als – ja, du hast das eh schon ein bisschen skizziert – der heilige Gral herumgetragen wird, so wie es, finde ich, auch vor ein paar Jahren mit Social Media war, wo alle gesagt haben, du musst auf Social Media mit deinem Business sein, sonst hast du keine Chance. Und jetzt, und das ermüdet mich einfach unfassbar und macht mich auch wütend, muss ich ganz ehrlich sagen, hören wir das Gleiche in Grün zum Thema KI.
Wenn du mit deinem Business in den nächsten Jahren bestehen bleiben möchtest, dann musst du jetzt meinen KI-Kurs kaufen, die 100-Prompts-Liste um 0 Euro runterladen und du musst KI-Expertin werden. Und das halte ich, gelinde gesagt, für falsch, absolut falsch, weil es, genauso wie es mit Social Media war, wieder nicht in den Kontext setzt, für wen macht es denn wirklich Sinn und für wen macht es nicht Sinn. Und natürlich kann man mit KI im Moment – die Entwicklungen sind ja rasend, also man kann ja jede Woche ploppen neue Tools auf und so weiter – man kann mit KI halt sehr gut FOMO erzeugen.
Also, wenn du da nicht dran bleibst und so weiter, dann wirst du komplett irgendwo versinken und alle anderen rennen dir voraus. Ich sehe tatsächlich eine Entwicklung, die kaum noch jemand auf dem Schirm hat, nämlich, dass KI mittlerweile schon dabei ist, uns zu ersetzen. Und darüber wird aus meiner Sicht sehr, sehr wenig gesprochen, nämlich wirklich uns Selbstständige zu ersetzen.
Und ich kann mir vorstellen, dass da viele Zuhörerinnen jetzt sagen, na ja, aber die Menschen arbeiten schon lieber noch mit Menschen und so weiter. Gleichzeitig muss man sagen, dass ganz, ganz viele Menschen, die den Zugang zu KI haben – man muss das auch, finde ich, ein bisschen die Kirche im Dorf lassen – von allen Menschen auf der Welt hat im Moment nur ein kleiner Teil Zugang. Also, Zugang haben viele, aber beschäftigen sich wirklich damit und beschäftigt sich intensiv damit.
Ich glaube, wir sind da als Selbstständige auch so ein bisschen in einer Bubble, würde ich sagen. Aber zum Beispiel, gerade was jetzt die psychosozialen Themen betrifft, Psychotherapie, psychosoziale Beratung und so weiter, wird KI ganz intensiv genutzt schon, ist eh klar. Das ist kostenlos, jederzeit verfügbar und ich brauche keinen Charme haben, egal, was ich da für ein Thema bespreche, weil es sitzt mir ja kein Mensch gegenüber.
Und wir haben es auch in der Business-Fotografie, wo wir es schon merken, wir haben es aber auch in der Ernährungstherapie, wo Ernährungspläne erstellt werden können, im Business-Mentoring, auch im Marketing ganz stark. Und das Spannende ist für mich nicht, also die Frage ist für mich nicht, wie kannst du am besten mit KI umgehen lernen, sondern wie positionierst du dich so, und da sind wir beim Marketing, dass ganz klar ist für die Menschen, die bei dir anlocken, dass ich mit dir arbeiten soll und nicht mit der KI. Ich glaube, das ist das, was uns am meisten beschäftigen wird in diesem Jahr 2026.
Sonja Mahr:
Ja, da waren ganz viele spannende Dinge dabei. Ich glaube, wir können hier so zwei Seiten ein bisschen darstellen. Du als die der KI gegenüber sehr optimistisch eingestellte erstmal auf den ersten Blick, die sagt: Ach Mensch, schade, dass ich nun in 100 Jahren nicht auch da bin und das verfolgen kann.
Ich bin nämlich gar nicht so die Early Adopterin. Ich gucke mir die Dinge immer an und denke mir, ja, okay, schauen wir mal. Und dann natürlich beschäftige ich mich damit, ich nutze KI auch, aber dieser Zug, auf den viele gerade auch im Marketing aufgesprungen sind mit: „Oh, ich mache jetzt meinen Kurs, den ich bisher hatte, schreibe KI drauf und verkaufe das ganz schnell, damit ich präsent bin“, da hatte ich jetzt nicht so viel Lust drauf.
Also vielleicht haben wir da so gleich zwei Blickwinkel schon mal drauf. Ich finde KI auch super wertvoll, weil ich sehe, dass Leute, die zum Beispiel vorher sich mega schwer getan haben, einen Text zu schreiben, denen wird es jetzt viel leichter möglich. Die trauen sich dann auch, das zu veröffentlichen, was super ist und ich nicht missen möchte für diese Leute, aber ich sehe auch, dass wir diese Bewertungshoheit über unsere eigenen Inhalte immer mehr der KI übertragen und so ein bisschen unser eigenes Urteilsvermögen jetzt schon outsourcen.
Also, dass wir dann die KI fragen: Ja, ist es so gut, ist es wirklich für mein Business in Ordnung? Und im Moment ist es ja schon so, dass wenn wir fragen, ist es so gut, sagt Chat GPT zum Beispiel: Ja, gute Idee. Und wenn wir fragen: Oder wäre es so nicht besser sagt ChatGPT: Stimmt, du hast recht, das wäre eine noch viel bessere Idee. Das wäre so die häufige Antwort, die wir kriegen. Also, dass wir auch ein bisschen aufpassen dürfen, unser eigenes Urteilsvermögen zu behalten und uns gleichzeitig über technischen Fortschritt zu freuen und Dinge zu nutzen, die uns vielleicht jetzt manches leichter zugänglich machen.
Karin Graf-Kaplaner:
Ich glaube, das ist noch so eine ganz spannende „Sowohl als auch Zeit“ und ja, ich bin gespannt, wo das hinführt. Ja, und es ist ja auch sehr verführerisch, ja, weil ich finde, KI ist ja die zarteste Versuchung, seit es irgendwie Tools gibt, weil wenn ich jetzt zum Beispiel eine Podcast-Folge scripte für mich, ja, zu einem bestimmten Thema, da muss ich mich zuvor wirklich an der Nase nehmen und sagen, okay, ich schreibe jetzt zuerst mal meine Gedanken auf. Die schreibe ich mal hin und spüre auch rein, was möchte ich da gerne reinpacken, was wäre mir wichtig und so weiter.
Und erst dann gehe ich den Weg zur KI. Und das braucht Disziplin. So komisch das jetzt klingt, wenn man vielleicht jetzt nicht permanent damit arbeitet, aber es ist so verführerisch, sich immer dann alles vorsetzen zu lassen.
Und was halt auch dazu kommt, und da sind wir wieder bei diesem ganzen Geschwindigkeitsthema, die KI produziert halt wirklich Massen an Inhalten, an Konzepten, an, ja, einfach an Texten. Und das ist für uns als Menschen nicht verdaubar, nicht bewältigbar. Ich habe dann zwar in ChatGPT hunderttausende Chats, hunderttausende Projekte, die alle seitenlang sind, aber was mache ich denn wirklich damit? Also ich finde da auch kritisch nochmal hinzuschauen, wie viel Erleichterung bringt es mir denn wirklich? So wie du sagst, es gibt super tolle Errungenschaften durch KI, die uns viele Dinge erleichtern, aber vieles ist einfach entbehrlich.
Es bringt nicht so viel.
Sonja Mahr:
Ja, ich glaube, es wird noch eine sehr spannende Zeit und ist es auch schon. Und besonders spannend finde ich, dass du ja kürzlich einen zweiten Podcast genau zu diesem Thema gestartet hast. Also neben deinem Slow-Business-Podcast hast du jetzt den KI-Effekt-Podcast gestartet. Und unter anderem führst du da ja Gespräche mit der KI, mit ChatGPT, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Und super spannend übrigens für alle, die da mal reinhören wollen, kann ich sehr empfehlen.
Das ist ein ganz spannendes, augenöffnendes Experiment. Und wir können jetzt alle nicht die Zukunft voraussagen, schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit, die die Gegenwart ja schon hat. Aber vielleicht können wir so ein bisschen einen Blick wagen. Was glaubst du, welche Entwicklungen in puncto KI erwarten uns, gerade als Selbstständige so in den kommenden, sagen wir mal Monaten, wenn du dich traust, gerne auch Jahre?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, ich glaube, das hängt sehr stark davon ab, wie sich Europa entscheidet. Das ist für mich jetzt einmal ein ganz wichtiger Faktor, weil in den USA findet ja aktuell ein KI-Wettrennen statt unter ganz, ganz wenigen Unternehmen.
Und die Chefs dieser Unternehmen, die CEOs dieser Unternehmen gehen mit diesen KI-Entwicklungen um wie mit Spielzeug im Grunde genommen. Also es geht darum, wer fährt schneller über die Ziellinie. Dann gibt es auch immer dieses Thema, ja, und China entwickelt ja auch, und die USA muss schneller sein als China und so weiter.
Das finde ich ja sehr interessant, dass da ein totales Wettrennen stattfindet. Was dabei aber vergessen wird, und das ist auch so ein bisschen das Thema meines Podcasts, nämlich was KI mit uns Menschen und mit unserer Gesellschaft macht, dass unsere Gesellschaft für diesen umfassenden Einsatz von KI nicht vorbereitet ist. Und wenn man wirklich Experten und Expertinnen zuhört und ich informiere mich da sehr intensiv, dann sagen alle, dass es eigentlich eine Drosselung des Tempos bräuchte, um uns gesellschaftlich darauf vorzubereiten, was passiert denn, wenn tatsächlich, so wie es im Moment prognostiziert ist, Millionen Menschen ihre Jobs durch KI verlieren.
Was machen die dann alle, sitzen die dann alle dort, sind aber auch Millionen Menschen, die dann keine Jobs mehr haben, die dann auch kein Geld mehr haben, um sich zum Beispiel Dienstleistungen zu kaufen. Das heißt, es ist ja dann auch ein Effekt, der dann nicht nur bei dem jeweiligen Menschen bleibt, sondern das geht dann weiter. Das heißt, es wird sehr, sehr spannend, ob gerade bei uns in Europa in irgendeiner Art und Weise eine Regulierung und eine Drosselung des Tempos, das ja, wie gesagt, von vielen Expertinnen gefordert wird, gemacht wird, um diesen Effekt, den KI haben kann.
Und dieses immer schneller Werdende und auch von den Unternehmen „Wie viele Arbeitskräfte kann ich durch KI einsparen, damit ich dann günstiger anbieten kann als ein anderes Unternehmen?“ und so weiter abgemildert wird. Und ich traue es mich jetzt nicht zu sagen, wie es tatsächlich ausgehen wird, aber ich glaube, es stehen uns auch als Selbstständige sehr disruptive Zeiten bevor. Und ich habe auch das Gefühl, dass wir sie schon spüren.
Ich weiß nicht, wie du das wahrnimmst, aber gerade die ganzen wirtschaftlichen Entwicklungen, die politischen Entwicklungen, die führen alle dazu, dass wir Selbstständige und natürlich auch die Unternehmen, die größeren Unternehmen, die Konzerne, dass wir das alle schon spüren, dass da irgendwas im Gange ist.
Sonja Mahr:
Ja, also gerade das, was du sagst in Bezug auf Jobs. Ich habe ja mit ganz vielen Texterinnen Kontakt, die eben auch als freie Texterinnen tätig sind und die melden mir das quasi jeden Tag, dass irgendein Kunde sagt „Nee, das macht jetzt die KI oder wir wissen noch nicht genau, wie wir da weitermachen oder wir brauchen die menschliche Unterstützung nur noch für ganz bestimmte ausgewählte Projekte.“
Aber so dieses sichernde Basisauftragsvolumen fällt weg und so weiter. Also das ist sicher was, was jetzt auch schon klar spürbar ist. Ja, ich glaube auf diese Regulierung oder Nichtregulierung oder inwiefern Regulierung, da können wir alle gespannt sein.
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, es gibt im Grunde genommen drei Möglichkeiten, wie KI unsere Selbstständigkeit beeinflussen kann. Einerseits eben das, was du jetzt gesagt hast mit den Texterinnen, dass direkt die Dienstleistung ersetzt wird. Bitte alle, die jetzt zuhören und in dem Bereich tätig sind, mir ist das vollkommen klar, dass eine KI das niemals leisten kann, was eine gute Texterin leisten kann. Aber wir sehen Unternehmen, die sich da nicht so gut auskennen, denken sich ja, das geht schon. Dann diejenigen, die jetzt nicht unmittelbar ersetzt werden, aber wo zum Beispiel Teile wie Beratungen und so weiter über KI gemacht werden. Und der dritte Bereich ist dann der, wo es dann so weit kommt, dass wenn dann viele Menschen keinen Job mehr haben, sich dann bestimmte Dienstleistungen, die vielleicht höherpreisig sind oder die nicht als so absolut lebenswichtig empfunden werden, dann nicht mehr leisten können.
Also da ist wahnsinnig viel im Umbruch.
Mut zum eigenen Tempo und KI fürs eigene Business nutzen: So kann es gelingen
Sonja Mahr:
Ja, das stimmt. Vielleicht können wir die beiden, würde ich sagen, Schwerpunktthemen, die wir heute hatten, diesen Mut zum eigenen Tempo, vielleicht auch manchmal Mut zur „Langsamkeit“, ohne das bewerten zu wollen, und aber auch diese rasante technologische Entwicklung so ein bisschen zusammenfassend zum Abschlusss. Stand heute.
Was kommt, wissen wir ja einfach nicht. Wie können wir denn jetzt als Selbstständige vorgehen und sagen, wir nutzen Zukunftstechnologien wie die KI, aber wir erlauben uns auch unser eigenes Tempo. Wir gestehen uns auch zu, dass wir uns das bewahren dürfen und eigentlich ja auch müssen, wenn wir gesund und leistungsfähig bleiben wollen. Was gibt es da für Dinge? Gibt es vielleicht eine Sache oder man möchte es auch mehrere, die man sich merken könnte, die man sich bewusst machen kann an dieser Stelle?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, also das Wichtigste für mich ist einmal allem voran: „Bitte, es läuft dir nichts davon!“ Wenn du jetzt selbstständig bist und du noch nicht so in diesem KI-Thema drinnen bist, dass du die Tools umfassend beherrschst, dann lass dir nicht Angst machen, dass das dazu führen könnte, dass dein Business den Bach runtergeht. Da gibt es ganz andere Aspekte, die kaum jemand am Schirm hat, haben wir heute eh schon besprochen, die dann viel eher dazu führen könnten.
Was ich schon wichtig finde, ist interessiert zu bleiben und neugierig zu bleiben und sich wirklich zu informieren, was tut sich, was entwickelt sich, um auch nämlich vorausschauend, und das ist das, was für mich so wichtig ist, als Business-Mentorin wirklich auch jemand zu sein, der unterschiedliche Entwicklungen vielleicht schon ein bisschen früher am Schirm hat als die Frauen, mit denen ich arbeite, damit man dann rechtzeitig und in einer vielleicht auch sehr entspannten und unemotionalen Art darauf reagieren kann. Und das Dritte, was mir wichtig ist, ist „Mensch bleib Mensch“. Also das gilt jetzt sowohl für deine Dienstleistung als auch für meine.
Ich glaube, den größten Fehler, den wir machen können, ist zu denken, dass ChatGPT eine gute Marketingberaterin, ein guter Marketingberater oder eine gute Business-Mentorin ist, weil was fehlt, und das ist sowohl bei deinen Kundinnen als auch bei meinen Kundinnen super wichtig, das Spüren fehlt und das Einlassen auf den anderen und das im Gespräch wahrnehmen, dass jetzt vielleicht irgendwas gerade nicht passt oder dass vielleicht Ängste aufgekommen sind und das dann anzusprechen. Ja, gerade bei deinen Kundinnen kann ich mir vorstellen, ist das ja super wichtig, weil natürlich kann ChatGPT ein super Marketingkonzept hinschmeißen, aber wenn ich dann Angst habe, sichtbar zu werden oder wenn ich zum Beispiel, so wie bei mir, Angst habe, mit Zahlen umzugehen oder nicht weiß, um Gottes Willen, wo soll ich denn jetzt mit dem tollen Konzept anfangen, bei A oder bei B oder wie hängt das alles zusammen, dann wird das nichts. Das ist einfach nicht hilfreich.
Und das ist mir noch wichtig zu betonen, dass ja auch diese Verführung,“Naja, geb ich schnell in ChatGPT ein, brauche ich eh keinen Termin ausmachen“, dass das ja nicht wirklich hilfreich ist für die Frauen.
Sonja Mahr:
Ja, finde ich einen ganz wichtigen Aspekt. Und ich sehe das auch jetzt schon, dass das manche Leute sogar eher wieder dazu führt, bewusst Beratungen zu suchen von einem Menschen, der sich damit auskennt fachlich, der aber auch ein Mensch ist, der sich in mich einfühlen kann, der merkt diese Zwischentöne einfach. Es sind nicht nur diese Daten, die ein Ergebnis ausspucken, sondern diese Zwischentöne. Du hast gerade gesagt, die Angst, die vielleicht aufkommt, obwohl doch das Konzept steht. Und ich glaube, das ist nach wie vor so, vielleicht sogar mehr denn je so, dass dieses reine „Mach einfach, nutz einfach ChatGPT und dann setzt du das um“ oder auch schon vor fünf Jahren „Mach einfach die drei Schritte, die ich dir hier zeige“, das funktioniert einfach für viele nicht, weil das Machen nicht so einfach ist, weil da noch viel mehr dranhängt, weil sie Angst haben, weil sie denken, ja passt das wirklich für mich, weil sie zweifeln, kann ich das so oder weil sie einfach mal ein menschliches Feedback brauchen, wie ist es denn für mich einzuordnen? Also diese, ich weiß nicht, ob man es Gegenbewegung nennen kann, aber diesen Bedarf oder das Bedürfnis, auch mit Menschen darüber zu sprechen und eben nicht nur mit der KI, das sehe ich jetzt auch schon.
Der riesengroße Faktor „Umsetzung“ und was KI dabei nicht abnimmt
Karin Graf-Kaplaner:
Ich glaube, das wird auch noch stärker werden, also das ist jetzt meine Einschätzung. Ja, und was ich noch anmerken möchte, ist, dass am Wissen mangelt es ja nicht. Also ich finde gerade seit 2020, wo das Online-Kurs-Business unfassbar geboomt ist, die meisten wissen zu viel, aber zumindest genug.
Also an Wissen und an Konzepten und an haufenweise Texten, wo drinsteht, was sollst du tun, daran mangelt es ja nicht. Es geht ja, sowohl bei dir als auch bei mir, geht es um die Umsetzung. Und die meisten kriegen es nicht hin, das umzusetzen, von dem sie wissen, dass sie es tun sollten.
Und da können wir als Menschen natürlich super begleiten und, so wie du sagst, Blockaden abbauen und herausfinden, was steckt denn eigentlich dahinter, warum nichts weitergeht und so weiter, genau.
Sonja Mahr:
Ja, und ich glaube, das ist auch ein wichtiger Appell, den wir vielleicht an unsere Zuhörer*innen heute weitergeben können, weil ich erlebe es ganz häufig, dass viele sich dann dafür verurteilen, dass sie es nicht umsetzen, obwohl sie ja wissen, was umzusetzen wäre und dass dieses „Ich kriege es nicht gebacken“, ihnen zu schwach ist, um Hilfe zu suchen. Das ist aber mit der größte Punkt, dass es nicht in die Umsetzung kommt, dass man nicht weiß, wie geht es für mich und dass eine Vorlage eben nicht 100 Prozent übertragbar ist aufs eigene Business.
Und genau dafür, also nur Mut, wenn du an so einer Stelle stehst vielleicht uns gerade zuhörst, genau da ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Wenn du merkst, hey, dieses Mobile kippt bei mir irgendwo, sprich mal mit Karin, vielleicht kann sie mit dir herausfinden, wo es eben kippt und wo es nicht weiterkommt. Wenn du merkst, ja, ich weiß, ich sollte bloggen, ich sollte meine Website online bringen, aber ich mache es halt nicht, aus welchem Grund auch immer, sprich mit mir, wir können das voranbringen auf einer menschlichen Ebene und wir können die KI trotzdem als Unterstützung nutzen.
Ja, ganz wichtig, danke, dass du es da nochmal erwähnt hast am Ende.
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, das ist das Gleiche, wie wenn du sagen würdest, „Ich male mir am Papier ein Haus und dann sage ich, ich müsste das aber können, das Haus selbst zu bauen. Und warum beginne ich denn eigentlich nicht, wenn ich doch eigentlich weiß, wie man eine Mauer bauen kann? Das würde man auch nicht sagen, da würde man sich auch den Profi holen.“
Sonja Mahr:
Das stimmt, also es wäre zumindest sinnvoll, das zu tun.
Wenn jetzt jemand sagt, das klingt sinnvoll für mich, ich möchte wirklich ein nachhaltig stabiles Business aufbauen, ich möchte da in meinem Tempo vorgehen, ich möchte mir auch mal mein Mobile angucken, wo ist da was in Schieflage, wie kann ich das ausbalancieren, wie kann man mit dir arbeiten, wo kann ich mehr über dich erfahren, wenn ich mir denke, Mensch, du könntest mir doch vielleicht dabei helfen?
Karin Graf-Kaplaner:
Ja, am besten auf meiner Website karingrafkaplaner.com und dort findet man auch meinen Slow-Business-Podcast, den hören meistens ganz viele von oben bis unten durch, bevor sie sich mit mir dann ein Erstgespräch ausmachen, das ist ganz oft so und da findest du schon ganz viele Impulse und genau auf meiner Website findest du dann auch den KI-Podcast, da ist eigentlich alles drauf.
Sonja Mahr:
Hast du denn ein, zwei Folgen, die du besonders empfiehlst aus deinem Slow-Business-Podcast?
Karin Graf-Kaplaner:
„Social Media stirbt“ kann ich zum Beispiel sehr empfehlen, das ist eine Folge, die sich mit anderen Marketingmöglichkeiten beschäftigt, aber auch das Thema „Prokrastination“ zum Beispiel, also es gibt ganz viel, was man da entdecken kann.
Sonja Mahr:
Ja, ist ein wirklich toller Podcast. Ich höre den auch sehr gerne, also falls ihr den noch nicht kennt, abonniert ihn doch gleich mal und hört mal rein.
Karin Graf-Kaplaner:
Oh, danke.
Sonja Mahr:
Gerne. Ich packe euch die Infos in die Shownotes, da findet ihr auch den Link zur Website und ja, alles, was es so zu finden gibt in diesem Zusammenhang.
Karin, ich danke dir sehr für dieses Gespräch. Bevor wir jetzt uns verabschieden, gibt es noch irgendwas, was du ergänzen möchtest, was dir noch wichtig ist zu sagen, was ich vielleicht vergessen habe anzusprechen, wo wir nicht vorbeigekommen sind oder passt so für dich?
Karin Graf-Kaplaner:
Es passt voll für mich, du hast einen so schönen Bogen gespannt und super spannende Fragen gestellt. Ich danke dir.
Sonja Mahr:
Ich danke dir und ich danke euch allen herzlich fürs Zuhören. Schaut gerne mal bei Karin vorbei und alles Gute für euch, für euer Marketing und eure Sichtbarkeit und sowieso das ganze Business. Bis bald.






