Als ich 2019 meinen ersten Onlinekurs erstellt hatte, wusste ich nicht, dass ich damit auch ein Ticket in eine Business-Achterbahn par excellence gelöst hatte, mit der ich so definitiv nicht rechnete. Welche riesengroßen Gewinne das Entdecken dieses für mich damals neuen Angebotsformates mir brachte, aber auch welche knallhart negativen Konsequenzen, erzähle ich dir ganz ehrlich in diesem Artikel.
Inhalt:
- 1 Von Wegen, die angeblich „nur so gehen“ und der Schwierigkeit sich von ihnen zu lösen
- 2 Von der Freelance-Texterin zur Onlinekurs-Anbieterin
- 3 Post-Corona-Ruckeln im Onlinekurs-Business und die Frage „Will ich so für immer arbeiten?“
- 4 „Warum schäme ich mich eigentlich ständig für irgendwas, seit ich Onlinekurse verkaufe?“
- 5 Ein großartiges Format mit schwierigen Begleiterscheinungen
- 6 Das Märchen von „Nie mehr Zeit gegen Geld tauschen“ im Onlinebusiness
- 7 Der Punkt, an dem mir klar war: Nein, das passt so nicht (mehr) zu mir
- 8 Mache ich meine Wirkungskraft nicht unnötig klein, wenn ich das Geschäftsmodell Onlinekurse zurückfahre?
- 9 Von der Erlaubnis, jederzeit neu entscheiden zu dürfen und dem Vermissen meines eigenen Berufs
- 10 Onlinekurse: Ja. Ein reines Onlinekurs-Business: Nein
- 11 Sich den eigenen Weg zugestehen ohne Scham – was mir dabei geholfen hat
- 12 Wofür schämst du dich im (Online-)Business, obwohl du das gar nicht musst?
Von Wegen, die angeblich „nur so gehen“ und der Schwierigkeit sich von ihnen zu lösen
es gibt da ein Thema, das ich zu wichtig finde, um es nicht anzusprechen, aber auch gar nicht so einfach, es zu tun. Denn auf der einen Seite sehe ich quasi permanent Menschen, die im Marketingkontext Wege eingeschlagen haben, weil sie dachten, das „müsste man so tun“ und es ginge nicht anders. Und wir arbeiten dann gemeinsam daran, dass sie ihren Weg finden, um Sichtbarkeit so aufzubauen, dass ihr Content für sie arbeitet und (!) sie sich wohlfühlen.
Aber dann gibt es da einen ganz anderen Business-Bereich, in dem es mir selbst so ging oder auch noch geht. Nämlich das Geschäftsmodell Onlinekurse. Und davon möchte ich dir erzählen, weil du – auch wenn der Bereich ein anderer ist – vielleicht einige Parallelen erkennen kannst, die dir helfen können. Aber fangen wir vorne an.
Von der Freelance-Texterin zur Onlinekurs-Anbieterin
Bevor ich meinen ersten Onlinekurs anbot und in den letzten Jahren vermehrt digitale Produkte verkaufte, war ich eine klassische Freelancerin, deren Business zwar von Anfang an onlinebasiert war, aber ansonsten voll auf 1:1-Dienstleistung ausgerichtet. Ich schrieb Texte für meine Kund*innen für deren Websites oder Blogs, erarbeitete Content-Konzepte, entwickelte Produkt- und Markennamen etc. Mein Freelance-Business lief sehr gut, ich hatte zufriedene Stammkund*innen, spannende neue Anfragen und tolle Menschen, die ich mit meiner Arbeit unterstützen durfte.
Doch die Rolle der klassischen Freelancerin hatte auch ihre Schattenseiten, von denen einige mir mehr und mehr zuwider wurden. Zum Beispiel die zunehmende Termindichte, wenn ich nicht „nur“ die Texterin war, sondern eben auch die Texterin in Abstimmung mit der Grafikabteilung, die Texterin in Meetings zur strategischen Ausrichtung, die Texterin, die noch x, y und z mit übernahm etc. Vor allem mit zwei kleinen Kindern waren diese vielen zusätzlichen Meetings oft herausfordernd, wenn ich auch das große Privileg hatte und habe von zu Hause aus zu arbeiten.
Dieser und noch ein paar andere Punkte führten mich dazu, dass ich beschloss, über neue Möglichkeiten des Arbeitens nachzudenken. Ein eigener Onlinekurs erschien mir als gute Möglichkeit mehr Menschen auf einen Schlag bei genau dem Thema weiterzuhelfen, das mir das liebste war: Ihre Texte zu nutzen, um ihr Business sichtbar zu machen und wertschätzende Kunden zu gewinnen. Denn die gewinnst du so viel leichter, wenn du eine klare und aussagekräftige Online-Präsenz hast!
Zugleich sollte es mir wieder mehr Freiraum in meinem Arbeiten bringen. Ich startete mithilfe eines Onlineprogramms diese Reise und feierte auch rasch erste Erfolge. Mein erster Onlinekurs war im Rahmen eines Beta-Tests gratis, der zweite verkaufte sich solide. 2021/22 schließlich konnten meine Umsätze über die Kurse meine früheren Umsätze komplett ersetzen. Ich fuhr das Texten als Dienstleistung und auch meine 1:1-Content-Beratungen immer stärker zurück. Weil es gut lief und ehrlich gesagt auch weil ich damals dachte, das wäre der folgerichtige Weg für jeden mit einem Onlinekurs. Was man eben so aufschnappt und als einzig richtige Wahrheit annimmt, wenn man sich in neue Gefilde begibt…
Post-Corona-Ruckeln im Onlinekurs-Business und die Frage „Will ich so für immer arbeiten?“
Ab 2023/24 setzte sich dieser sehr gute Trend nicht in dieser Form weiter fort, die Kursverkäufe kamen zwar weiterhin, wurden aber spürbar mühsamer. Gleiche Erfolge zu erzielen brauchte entweder wesentlich mehr Einsatz oder gleicher Einsatz führte zu spürbar niedrigeren Verkaufszahlen. Launches auch ganz ohne Verkäufe, aber natürlich mit gleichbleibender wochenlanger Vorarbeit, kamen auch vor und waren natürlich dann gleich doppelt anstrengend, weil sich die investierte Zeit und Mühe in diesen Fällen gar nicht auszahlte und zügig eine Alternative für den eingeplanten, aber nicht erzielten Umsatz her musste.
Diese Entwicklung hatte sicherlich zum einen mit der sich langsam wieder beruhigenden Corona-Pandemie zu tun, die den vorherigen Ansturm auf alle möglichen Online-Angebote nun abflachen ließ. Viele Menschen trieb es wieder mehr ins Offline-Leben und zudem hatten einige leider schlechte Erfahrungen mit Onlinekursen gemacht und misstrauten diesem Format deshalb stärker als zuvor. Leider auch bei Menschen, die sich sehr viel Mühe gaben, gute und wirklich hilfreiche Kurse zu entwickeln. Es war ein bisschen in den Brunnen gefallen, das Onlinekurs-Kind. Von vielen Selbstständigen hörte ich in persönlichen Gesprächen, dass es schwieriger wurde mit den Kursen, wenn öffentlich auch eher weniger davon zu hören war und die Botschaften im Sinne von „Lebe und arbeite aus der Hängematte, indem du einfach einen Kurs erstellst“ nicht leiser wurden.
Aber dieses Ruckeln lag sicher auch an mir selbst, denn der überwiegende Umstieg auf das Geschäftsmodell der Onlinekurse hatte auch etwas mit mir persönlich gemacht. Vieles davon war mir nicht sofort klar, sondern wurde es erst später und ist mit Abstand betrachtet doch sehr interessant bis leider auch erschreckend.
„Warum schäme ich mich eigentlich ständig für irgendwas, seit ich Onlinekurse verkaufe?“
Die vielleicht erschreckendste Sache: Seit ich Onlinekurse verkaufte, verglich ich mich unendlich viel mehr mit anderen Anbietenden als vorher. Als freiberufliche Texterin ist es mir nie so stark passiert, dass ich meine Anzahl an Kundenaufträgen, meinen Stundensatz und meinen Jahresumsatz mit dem anderer Texter*innen verglich. Es galt nicht immer noch mehr zu erreichen, sondern gut war dann auch mal gut genug. Wenn du ausgebucht bist, dann ist da irgendwo ein natürliches Limit. Schade auf der einen Seite, vielleicht ja. Aber auch gut auf der anderen, denn es galt nicht immer noch mehr zu erreichen, weil es nach oben ja kein Limit gibt. Man kann immer noch einen Kurs mehr verkaufen… Dadurch gab es nie Entspannung, sondern immer so eine Art Getriebenheit und das Onlinekurs-Business fühlte sich an wie in einer sich selbst permanent nach oben pushenden Bubble mitzufahren und hektisch atmend zumindest noch einen Platz am Rand in der Nähe einer Haltestange erwischen zu wollen. Wenn mehr gehen kann, dann muss doch auch mehr gehen!
Immer wieder begleitete mich in diesem Feld ein Gefühl, das mich heute, wenn ich diesen Artikel schreibe richtig schockiert: Scham. Warum schämte ich mich eigentlich ständig, seit ich ein Onlinebusiness mit Onlinekursen hatte? Obwohl mein Onlinekurs-Business sogar recht gut lief, fand ich an allen Ecken und Enden Anlass zur Scham.
Nur einige Beispiele:
- Gefühlt alle propagierten, dass man ein Team brauche für ein „richtiges Onlinebusiness mit Onlinekursen“. Aber das war eigentlich ja nie mein Ziel. Dennoch arbeitete ich phasenweise mit Freelancerinnen, die mich unterstützten und das war auch angenehm und gut, aber im Endeffekt gar nicht die Art, wie ich gerne arbeitete. Also stellte ich das wieder ein und schämte mich dafür. „Alle können Teamaufbau, nur ich nicht.“
- Gefühlt alle verdoppelten oder verdreifachten die Preise ihrer 1:1-Dienstleistungen, damit die Onlinekurse im Vergleich noch attraktiver erscheinen. Logisch, aber irgendwie auch unangenehm. Also nahm ich meine Dienstleistungen lieber Stück für Stück raus, statt so eine riesige Spanne aufzumachen und schämte mich, weil ich wohl nicht das richtige Money-Mindset hatte…
- Gefühlt alle boten auch rasch gar keine 1:1-Beratung oder Dienstleistung mehr an, weil Kurse ja skalierbarer und dadurch per se besser sind. Wer Kurse anbietet, hat es „nicht mehr nötig“ 1:1 anzubieten und “Zeit gegen Geld zu tauschen”, sofern man es eben richtig macht. Selbst noch 1:1 anzubieten führte dazu – du ahnst es schon – dass ich mich schämte, dann wohl nicht zu den „mega Erfolgreichen unter den Kursanbietern“ zu gehören, dass das eine Art unternehmerischer Rückschritt ist… Und nein, gezwungen hat mich zu diesem Gedanken niemand, aber das ist ein gutes Beispiel für „Alles, was ausgesendet wird, hat eine Wirkung“. Vieles von dem, was in der Onlinebusiness-Bubble ausgesendet wurde und wird eben auch. Ob wir wollen oder nicht, manches verfestigt sich unbewusst.
Diese Liste könnte ich noch lange fortführen, aber ich hoffe es ist klar, was ich meine. Dieses omnipräsente Gefühl der Scham hatte sich stärker ausgebreitet als mir bewusst war. Und erst jetzt trage ich es nach und nach ab, indem ich das diffuse Gefühl in einen realistischen Rahmen setze und mich frage “Stimmt das eigentlich alles?”
Denn objektiv betrachtet ist mein Onlinekurs-Business schon in Ordnung. Es hat es gerade schwerer als früher, wie viele andere auch. Das Problem ist: Ich habe mich immer nur mit den (echten oder scheinbaren) Überfliegern verglichen und dabei selbst kleiner gemacht und eben für alles Mögliche geschämt, weil Vieles einfach nicht zu mir passte, obwohl es objektiv betrachtet gar keinen vernünftigen Grund dafür gab.
Ein großartiges Format mit schwierigen Begleiterscheinungen
Nur, um das klar einzuordnen: Mir geht es nicht um Onlinekurs-Bashing. Das Format an sich liebte und liebe ich sehr: Onlinekurse sind eine tolle Sache, das Arbeiten mit meinen Kund*innen in den Kursen oder auch Gruppenprogrammen ist zielführend und angenehm und bringt ihnen gute Ergebnisse. Natürlich ist es kein intensives 1:1, doch in vielen Fällen die genau richtige Kombination aus Knowhow und Support zu günstigeren Preisen als bei einer 1:1-Unterstützung. Ich selbst kaufe auch gerne Onlinekurse und schätze dieses Format. Je nachdem, was ich eben brauche und möchte, kann ein Onlinekurs eine exzellente Lösung sein.
Aber es gab und gibt Bereiche, die an diesem Geschäftsmodell dranhängen, mit denen ich nie wirklich d’accord ging bzw. es einfach nicht mein Ding war. Das Verkaufen von Onlinekursen beispielsweise. Gelernt hatte ich das von einem Onlinebusiness-Coach. Ihr Mittel der Wahl war der Live-Launch, z.B. mit einer 5-Tage-Challenge, die live und für 0 € angeboten wird und an deren Ende ein Angebot (der Onlinekurs) unterbreitet wird. Einerseits schätzte ich das, weil diese Live-Aktionen viel Energie aufbauen, viel Motivation bringen und Leuten helfen können ins Tun zu kommen. Aber es war für mich auch eine enorm erschöpfende Art meine Angebote zu verkaufen. Zwar passte ich so einiges an im Laufe der Zeit, aber im Kern blieb es bei diesem Empfinden. Wie „man“ Onlinekurse verkauft – wenngleich es auch hier Variationen gibt – entsprach nicht dem Weg, wie ich ihn bis dahin kannte und gerne nutzte, sondern war einfach ganz anders.
Das Märchen von „Nie mehr Zeit gegen Geld tauschen“ im Onlinebusiness
Was im Onlinebusiness ja ganz häufig angepriesen wird, ist die Tatsache, dass du keine Zeit mehr gegen Geld tauschst, sobald du auf Kurse umsteigst. Weil du ja einen Kurs zum Beispiel nur einmal erstellst und dann aber unendlich oft verkaufen kannst. Und ja, das stimmt, ist aber in der Praxis einfach eine Verschiebung des Zeitaufwands weg von
- „Ich leiste eine Stunde/für ein Projekt Arbeit und bekomme dafür ein Honorar“ hin zu
- „Ich leiste den Aufbau eines Onlinekurses und der Verkaufsaktivitäten und bekomme dafür eine Bezahlung in Höhe von 0 (wenn kein Kauf) bis x (wenn viele Verkäufe)“
Onlinekurse zu verkaufen bedeutet einfach ein anderes Arbeiten: Aufwand für die Konzeption, Erstellung, Verkauf, vor allem auch regelmäßige Aktualisierung der Materialien etc. sind nicht gerade wenig und zahlen sich unterschiedlich gut aus. Wenn du viel verkaufst, erreichst du schon deutlich höhere Umsätze als sie mit reiner 1:1-Arbeit möglich wären. Das ist definitiv so; der 1:1-Umsatz ist irgendwo gedeckelt. Wenn ein Verkauf aber floppt, hast du auf der anderen Seite eben auch viele Stunden komplett unbezahlter Arbeit, weil du ja immer in Vorleistung gehst. Vielleicht ist es also ein nicht so direktes Zeit-gegen-Geld-Tauschen, aber Zeitaufwand gibt es nach wie vor und das gar nicht mal so wenig. Und nur weil die Infrastruktur für 1.000 Kursverkäufe steht, heißt das noch nicht, dass du diese 1.000 Verkäufe auch erzielst. Schon gar nicht, bevor du eh wieder neuen Aufwand in die Aktualisierung stecken musst. 😉
Der Punkt, an dem mir klar war: Nein, das passt so nicht (mehr) zu mir
Für mich stand also auf der einen Seite fest: Ich mag das Format der Onlinekurse und so mit Kund*innen zu arbeiten. Meine Onlinekurse liefen gut bis okay mit zuletzt allerdings zunehmendem Aufwand fürs Verkaufen der Kurse (denn ein Onlinekurs, der nur auf der Website liegt ohne dazu passende Verkaufsaktivität verkauft sich eher schlecht bis gar nicht). Die Entwicklung zeigte mir: Launches oder auch Evergreen-Funnel verlangten zunehmend mehr Aufwand, gleichzeitig ist der Markt voll von Menschen, die Onlinekursen gegenüber skeptischer geworden sind und die Wertschätzung für Gratis-Angebote wie Launches, die natürlich einerseits Verkaufsaktion sind, aber ja immer auch wertvollen kostenlosen Mehrwert bieten, erschien mir immer niedriger zu werden. Und klar, nicht jede geleistete Stunde bezahlt zu bekommen, gehört zur Selbstständigkeit eh immer dazu, aber in einem gewissen Rahmen sollte es unterm Strich trotzdem passen. Für mich fühlten sich die Verkaufsaktionen um meine Onlinekurse jedoch immer weniger wertschätzend mir selbst und meiner Arbeit gegenüber an. Verkaufen wie ich es vorher nutzte und ja auch nach wie vor weitergebe, lief über gute Sichtbarkeit über den eigenen Content, Vertrauensaufbau und dann eben Verkauf über Kennenlerngespräche oder den Newsletter. Guter und ja auch kostenloser Content ist in meinen Augen elementar wichtig, um überhaupt mal einen Fuß in der Tür zu haben bei potenziellen Kund*innen. Aber zusätzlich noch die Aktionen wie Challenges, Webinare, Masterclasses mit dem ganzen Onlinekurs-Rattenschwanz hintendran, war dann eben zu viel im Verhältnis zum Ergebnis.
Ich musste mich unter diesen Umständen deshalb klar fragen: Wenn der Aufwand Onlinekurse zu verkaufen, für mich immer weiter steigt, müsste ich die Anzahl oder Intensität meiner Verkaufsaktionen eigentlich erhöhen, um meinen Fokus auf diesem Format halten zu können und weiterhin genug Kurse zu verkaufen. Will und kann ich das?
Und hier ist meine Antwort: Nein, ich will es nicht, weil das Verkaufen von Onlinekursen für mich eben enorm auslaugend ist. Solange es im ganzen Spiel ein überschaubarer Teil ist, ist das für mich in Ordnung. Ich mache wirklich gerne mal eine 0€-Aktion und damit das Thema Marketing ohne Marktgeschrei und das Texten fürs eigene Business möglichst vielen Selbstständigen auf eine maximal leichte und unverbindliche Art zugänglicher. Solche Aktionen sind spannend und bringen immer auch zusätzliche Sichtbarkeit und es ist selbstverständlich auch okay, dass nicht jeder Teilnehmende einer kostenlosen Aktion danach auch bei mir bucht. Aber noch mehr oder öfter launchen oder noch mehr Zeit in einen Evergreen-Funnel stecken für vielleicht gleichbleibende Ergebnisse: Nein, der Preis ist mir dann einfach zu hoch und meine Motivation zu dieser Art von Arbeiten zu gering. Wie gesagt: Die Arbeit mit den Kund*innen in den Kursen liebe ich nach wie vor, aber die Anforderungen an die Verkaufsprozesse nicht. Und wenn ich feststelle, dass ich mehr Zeit fürs Verkaufen der Kurse aufwenden muss als für Konzeption und eigentliche Arbeit mit den Kund*innen darin, dann kann ich das als Teil des Geschäftsmodells anerkennen und gleichzeitig feststellen, dass das nicht (mehr) mein Ding ist.
Ich möchte nicht mehr Zeit fürs Optimieren eines Funnels aufwenden, als für meine eigentliche berufliche Passion. Ich möchte nicht mehr Planung in einen Launch stecken, als direkt mit meinen Kund*innen zu arbeiten. Ich verstehe das Prinzip, es mag auch smart sein, aber es erfüllt mich irgendwie so gar nicht.
Also steht für mich hier und heute fest: Wenn das Verkaufen von Onlinekursen immer aufwendiger wird, dann stelle ich mein Portfolio lieber wieder um, damit ich mehr Zeit damit verbringen kann, was ich gerne tue und auch am besten kann: Schreiben, bei den eigenen Business-Texten und bei der Sichtbarkeit ohne Marktgeschrei unterstützen.
Mache ich meine Wirkungskraft nicht unnötig klein, wenn ich das Geschäftsmodell Onlinekurse zurückfahre?
Seit meinen großen persönlichen Verlusten der letzten Jahre, stelle ich mir noch mehr als ohnehin schon die Frage, was und wie ich meine Zeit hier auf der Erde nutzen kann, um möglichst viel Sinnvolles mit dem, was ich gut kann, zu bewirken. Und ja, damit hängen meine Onlinekurse zusammen, denn mit ihnen kann ich – zunächst einmal auf der quantitativen Ebene betrachtet – viel mehr bewirken, als wenn ich meine Kompetenz einigen wenigen Personen zur Verfügung stelle, wie es im 1:1 oder beim Done-for-you-Texten der Fall ist. Das ist ja auch eins der stärksten Argumente für Online-Kurse generell: Du hast mehr Wirkung und kannst mehr Menschen helfen.
Dieser Gedanke lässt mich hadern, ob ich nicht doch mehr „die Zähne zusammenbeißen“ sollte, um eben mehr Menschen erreichen und unterstützen zu können. Ob ich das Verkaufen von Onlinekursen, wie es nun mal ist und funktioniert, akzeptieren sollte.
Aber wenn ich es genauer betrachte hängt Wirkung ja nicht nur mit der Breite der Wirkung zusammen, sondern auch mit der Tiefe. Und die tiefsten Veränderungen sehe ich bei Menschen, mit denen die Zusammenarbeit enger war. Weil wir dort mehr ins Detail gehen konnten, noch mehr auf ihre individuellen Anforderungen angepasst arbeiten. Weil ich auch Menschen weiterhelfen kann, deren Business vielleicht etwas ungewöhnlich aufgestellt ist, deren Thema erklärungsbedürftiger, deren Hemmungen oder Angst vor der Sichtbarkeit stärker. Das wiederum hilft ihnen ihre Wirkung in ihrem Kompetenzfeld zu verstärken und mehr Menschen zu helfen. Es zieht also Kreise auf einer anderen Ebene.
Ist es also ein Trugschluss zu glauben, dass skalierbare Angebote, die sich an viele zugleich richten, den Einzelangeboten immer vorzuziehen sind, wenn man möglichst viel verändern möchte? Möglicherweise.
Im Onlinebusiness käme wohl nun jemand daher und würde sagen „Du musst an deinem Growth Mindset arbeiten!“, und vielleicht hätte die Person auch Recht. Aber vielleicht ist die Wirkung eben nicht „besser“, weil sie mehr Menschen in Summe erreicht und vielleicht geht es nicht ums Vergleichen, sondern darum, dass jede*r seine Wirkung auf seine Weise, zu seiner Zeit und zu seinen Lebensumständen passend entfalten kann.
Am kleinsten ist sie garantiert, wenn wir ständig an uns rummäkeln und uns sagen, dass wir es nicht gut genug machen. Und deshalb spreche ich dieses Thema der Scham in diesem Artikel hier auch so offen an, weil sie damit einen Teil ihres Schreckens verliert. Es gibt keinen Grund mich zu schämen, weil ich Wege ausprobiere und feststelle, dass manche besser und manche schlechter zu mir passen oder auch manches Mal besser und zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr so gut. Es gibt keinen Grund mich zu schämen, dass ich manche Wege aufgrund von Wertekonflikten bewusst nicht gegangen bin, auch wenn sie rein auf die Zahlen bezogen funktionieren und das „Ergebnis“ damit vielleicht besser gewesen wäre; ich vielleicht noch viel “weiter” sein könnte. Gerade im Onlinebusiness gibt es unfassbar viele Hebel, die man nutzen kann, aber enorm viele davon fühlen sich für mich auch nicht richtig an. Ich kann die Mittel und den Zweck nicht trennen. Das ist wirtschaftlich manchmal ungünstig, moralisch aber unverhandelbar.
Ich weiß wie verbreitet Scham im Business-Kontext ist und wie groß das Schweigen über solche Gefühle, wie ich sie hier schildere. Wenn dieser Artikel also auch nur einer Person dabei helfen kann, sie zu enttarnen und zurück in die eigene Kraft zu kommen, dann hat er sich für mich gelohnt. Auch wenn er sich natürlich gleichzeitig für mich persönlich sehr verletzlich anfühlt.
Von der Erlaubnis, jederzeit neu entscheiden zu dürfen und dem Vermissen meines eigenen Berufs
Die Scham hat aber auch eine Erkenntnis zu Tage gefördert, die sehr interessant und wertvoll ist und die auch schon ein bisschen anklang. Manchmal hab ich meinen Beruf, wie er vor diesen ganzen Onlinebusiness-Regeln, mit denen ich konfrontiert war, war schmerzlich vermisst. Ich hab es vermisst mehr Zeit fürs Schreiben zu haben als für das Drumherum eines Launches oder eines Funnels. Ich hab es auch vermisst, nicht nur meinen eigenen Content zu erstellen, sondern auch den meiner Kund*innen. Der Part, für den ich mich ursprünglich mal selbstständig gemacht hatte, wurde (von mir selbst!) viel zu stark wegrationalisiert, weil Skalierung so viel „sinnvoller“ und „folgerichtiger“ erschien. Weil ich dachte, von anderen empfohlen bekam und mir selbst immer wieder bestätigte: „Das ist schon richtig so, in die Richtung musst du gehen.“
Aber, wenn ich das so ehrlich sagen darf: Mir persönlich macht es so viel mehr Freude Blogartikel zu schreiben, als den Raum optimal auszuleuchten, damit mein Kursvideo richtig gut wird. Mir persönlich macht es mehr Spaß, für mich selbst oder Kund*innen Newsletter zu schreiben, die dann gerne geöffnet werden und durch die klar wird, wie toll das Angebot der Person ist, als ein wieder neues Bestellformular mit Upsell und Downsell anzulegen und die fünfte Verzweigung mit Countdown einzufügen. Mir macht es Spaß das Business-Texten zu lehren, aber auch selbst zu texten. Und es freut mich einfach nach hunderten Malen immer noch jedes Mal so sehr, wenn jemand dankbar ist dafür, dass ich ihm das Texten abnehme und zu einem guten Ergebnis verhelfe, weil die Person das aus welchem Grund auch immer nicht selbst übernehmen kann oder möchte. Es gibt die Selbstständigen, die das Texten gerne lernen möchten (was ich sehr empfehlen kann, das ist einer der wichtigsten Skills!) und die, die es lieber oder teilweise abgeben. Das ist doch vollkommen okay.
In meinem Fall wurde jedenfalls aus dem Gedanken „So macht man Online(kurs)-Business“ schleichend ein Business, das meine vielleicht größte berufliche Leidenschaft in eine kleine Ecke drängte: das Schreiben selbst. Wie schade ist das eigentlich?!
Und klar: Das Texten bzw. der Beruf der Texterin hat heute mit großen Herausforderungen zu kämpfen und ja, das macht mir an diesem Punkt meiner Reise auch Sorgen. Ist es wirklich sinnvoll ihm gerade jetzt einen wieder größeren Raum einzuräumen oder doch eher wirtschaftlich fahrlässig? Ist die Anzahl der Kund*innen, die eine professionelle Texterin noch schätzen und buchen in Zeiten von KI ausreichend groß? Dass das Texten eines Menschen, der sich in dein Business einfühlt, nach wie vor oder eher gerade jetzt Sinn hat, steht für mich außer Frage. Es macht einen riesigen Unterschied beim Ergebnis, der weit über den reinen Faktor der zeitlichen Effizienz hinausgeht. Deine Texte fühlen sich einfach anders an, wenn sie wirklich transportieren, was dir wichtig ist. Und sie verkaufen auf einer anderen, viel nachhaltigeren Ebene. Im Grunde ist das gerade in diesen Zeiten wichtig!
Onlinekurse: Ja. Ein reines Onlinekurs-Business: Nein
Nun, was machen wir – was mache ich – jetzt aus alledem?
Ich gestehe mir zu, mich neu entscheiden zu dürfen, weil das nicht automatisch heißt, eine frühere Entscheidung als fehlerhaft zu markieren. Sondern einfach, dass es jetzt an der Zeit ist etwas zu ändern. Ich gestehe mir zu zu sagen: Bis hierhin, aber nicht weiter.
Ich bin sehr froh um die Erfahrung und das Kennenlernen dieses Geschäftsmodells, denn ich verdanke meinen Onlinekursen sehr viel. Ich freue mich über das, was ich in diesem Bereich aufgebaut habe und darüber, dass meine Kurse Menschen bei ihrer Sichtbarkeit ohne Marktgeschrei helfen können. Ich bin stolz auf meine Kurse, ihre Qualität und welche Bewegung durch sie möglich ist. Und ich verkaufe sie auch gerne, nur eben nicht unter diesen geschilderten Bedingungen und in dieser Frequenz.
Gleichzeitig spüre ich einen großen Wunsch wieder öfter mehr in die Tiefe zu gehen und mich von der Fokussierung auf Kurse stärker zu lösen. Wieder mehr anders zu arbeiten, öfter direkt mit dem Menschen zusammen zu starten, statt vorher Kurspläne zu erarbeiten und Videos aufzunehmen. Auch wieder mehr selbst zu schreiben!
Nach den Business-Horoskop-Readings und Text-Mentorings, die ja beide 1:1 sind, sitze ich derzeit so manches Mal mit feuchten Augen da, weil es mich selbst auch so berührt, wenn andere nach unserer Zusammenarbeit ihr Wirken besser erfassen können oder wenn sie Tatkraft spüren ihr Business nun zu zeigen, statt Angst oder Ablehnung vor Sichtbarkeit. Das ist für mich ein sehr guter Marker, auf dem richtigen Weg zu sein, weil es sich sinnvoll und warm anfühlt. Im Gegensatz dazu schiebe ich Launches ständig weiter auf, weil ich einfach keine Lust mehr auf sie habe. Manchmal, ja. Aber eben viel seltener als es das reine Onlinekurs-Businessmodell bräuchte.
Der für mich vielleicht wichtigste Schritt ist es, meinem von mir sehr geliebten Beruf wieder mehr Raum zu geben, der jenseits eines Onlinekurs-Rahmens bestehen darf. Ich konzipiere gerade ein Format dafür, das sich gut und stimmig anfühlt, bei dem ich den Menschen das Texten wieder abnehmen kann und selbst für sie schreibe. Zunächst in einer kleinen Kapazität, denn dieses eingangs geschilderte Bedürfnis nach nicht zu vollgestopften Terminkalendern habe ich nach wie vor.
Und ich freu mich auch total darauf, wieder ein „Done for you“ anzubieten, weil ich aus so vielen Lebensbereichen weiß, wie dankbar ich selbst dafür bin, Aufgaben auch mal wirklich abgeben zu können und nicht „nur“ zu lernen, wie ich das selbst erledigen könnte. Manches möchte man einfach in gute Hände abgeben und wissen, dass es gut erledigt wird. Und das ist doch vollkommen okay – wir haben doch vielleicht genau deshalb unterschiedliche Fähigkeiten, damit wir uns unterstützen können.
Sich den eigenen Weg zugestehen ohne Scham – was mir dabei geholfen hat
Nun, das alles ist ein Weg, denn dieses Gefühl der Scham lässt sich gar nicht so einfach wegwischen. Dieses Gefühl von „Darf ich das mit den Onlinekursen anders machen?“ Was mir hier geholfen hat und weiterhin hilft, Wege auch wieder zu verlassen oder zu hinterfragen, selbst wenn sie manches Mal als der einzig sinnvolle angepriesen werden, ist es, nah bei mir selbst zu bleiben. Erst auf mich zu hören und dann auf das, was im Außen passiert. Das fällt mir tatsächlich gar nicht so leicht und deshalb schätze ich Hilfsmittel wie z.B. den Blick auf mein Horoskop, das mir meine eigene Essenz einzuordnen hilft, sehr.
Aber welches Tool oder welche Herangehensweise du für dich auch nutzt: Essentiell ist es aus meiner Sicht möglichst pur und nah bei dir selbst anzusetzen. Nicht bei dem, was andere sagen. Nicht bei den Erwartungen, die du aufgrund dessen geformt hast.
Sondern bei dir:
Wer bist du?
Was tust du gerne?
Wobei kannst und willst du unterstützen?
Wie arbeitest du gerne?
Sowieso bin ich nach zehn Jahren Selbstständigkeit und der Zusammenarbeit mit hunderten wunderbaren Persönlichkeiten sicherer denn je: Der erfolgreichste Weg ist immer der eigene. Die erfolgreichste Strategie die, die zu dir passt. Wir können viel von anderen lernen, wir können uns inspirieren lassen, uns neue Fähigkeiten aneignen (selbstverständlich auch über Onlinekurse!) und aus all dem dann unseren Weg formen.
Es gibt keine 1:1-Blaupause für deinen individuellen Weg. Good news, bad news.
Wofür schämst du dich im (Online-)Business, obwohl du das gar nicht musst?
Wie gesagt: Ich weiß, dass ich mit diesem Thema nicht alleine bin. Unangenehme Themen brauchen Menschen, die sie offen ansprechen, damit sie nicht weiter im Verborgenen ihr Unwesen treiben. Wenn dieser Artikel für dich eine kleine Hilfe sein kann, freut mich das deshalb sehr. (Und wenn du es mich wissen lässt, noch ein bisschen mehr.)
Vielleicht möchtest du dich ja selbst auch mal fragen:
– Wofür schäme ich mich in meiner Selbstständigkeit oder in meinem Online-Business, obwohl ich das gar nicht müsste?
– Welche Überzeugungen habe ich, ohne sie jemals wirklich zu hinterfragen, übernommen und als „zweifellos wahr“ eingestuft?
– Was passt gar nicht (mehr) zu mir und was würde ich gerne tun, wenn Scham kein Thema wäre?
Wir sind ja letztlich alle auf dem Weg. Wir können die Dinge so gut machen, wie es eben gerade geht. Entscheidungen treffen, wie wir sie eben in diesem Moment sehen. Wir dürfen sie später korrigieren oder anders entscheiden und müssen keinem Weg treu bleiben, der nicht mehr passt. Und das ist okay. Sogar mehr als das.
Mach dich nicht klein, sondern bring dein Strahlen raus. Da hast du, da hat auch die Welt am allermeisten von.
Herzlichst
Sonja






