Haben sich in deinem Business und auf deiner Website zu viele Angebote angesammelt? Bist du unsicher, ob es zu viele sind, aber auch, welches du behalten solltest? In diesem Artikel verrate ich dir, woran du erkennst, dass deine Angebotspalette zu groß geworden ist, wie ich in solchen Fällen Schritt für Schritt vorgehe und welche zehn Fragen dir helfen, deine optimale und glasklare Angebotsstruktur zu finden. Los geht’s!
Inhalt:
- 1 Wie viele Angebote sollten Solo-Selbstständige haben?
- 2 12 Anzeichen, dass du zu viele Angebote hast und aussortieren solltest
- 2.1 Anzeichen 1: Deine Website ist unübersichtlich
- 2.2 Anzeichen 2: Du bekommst ständig Signale der Verwirrung
- 2.3 Anzeichen 3. Angebote kannibalisieren sich gegenseitig
- 2.4 Anzeichen 4: Deine Customer Journey hat zu viele Umwege
- 2.5 Anzeichen 5: Dein Umsatz leidet oder sinkt
- 2.6 Anzeichen 6: Deine Angebote liegen nur rum
- 2.7 Anzeichen 7: Du sitzt im Marketing-Hamsterrad
- 2.8 Anzeichen 8: Du verzettelst dich beim Verkaufen
- 2.9 Anzeichen 9: Du weißt im Kennenlerngespräch nicht, was du empfehlen sollst
- 2.10 Anzeichen 10: Dein Kalender ist überfüllt
- 2.11 Anzeichen 11: Du hast administratives Chaos
- 2.12 Anzeichen 12. Deine Positionierung verschwimmt
- 2.13 Bestandsaufnahme machen: Welche Angebote hast du?
- 2.14 Umsatzbringer und Lieblings-Angebote identifizieren
- 2.15 Produkte auf deine Customer Journey legen
- 2.16 Überschneidungen prüfen
- 2.17 Verkaufswege mitdenken
- 2.18 Entscheidung treffen und nicht mit ihr hadern
- 2.19 Änderungen umsetzen und auf der Website sichtbar machen
- 3 1, 3 oder 10 Angebote? So findest du DEINE ideale Zahl
- 4 Klarheit vor Chaos: So wirkt dein Portfolio jederzeit aufgeräumt
Wie viele Angebote sollten Solo-Selbstständige haben?
Die Frage aller Fragen: Wie viele Angebote sind eine gute Anzahl an Angeboten (Produkten, Coaching-Paketen, you name it)? Wie viele sind zu viel, wie viele zu wenig?
Wie immer kommt es ein bisschen darauf an. Woran? Auf dich, auf dein Geschäftsmodell und auf deine bevorzugte Art zu arbeiten.
Ich habe schon alle möglichen Produktpaletten gesehen, die ganz unterschiedlich aussahen. Letztlich kommt es also vor allem darauf an, was zu dir passt. Baer natürlich ist es kein Würfelspiel und du findest deine ideale Angebotsstruktur raus, indem du auswürfelst, was bleiben darf und was gehen soll.
Beispiele möglicher Angebotspaletten
Um das Thema etwas greifbarer zu machen: Es gibt physische Produkte und digitale Produkte, Erfahrungsangebote, Wegbegleitungen und, und, und. Die meisten Selbstständigen können die Auswahl zur grundsätzlichen Art ihrer Produkte noch recht leicht treffen, also ob sie Möbel verkaufen, Webdesign-Dienstleistungen anbieten oder ein Waldspaziergang-Coaching.
Was dann schon ein bisschen kniffliger ist, wie genau sie ihr Portfolio mit diesen Angeboten aufbauen wollen. Am Anfang starten die meisten mit einem Angebot, das liegt ja auch nah. Doch mit der Zeit erweitert sich ein Portfolio und das sieht dann zum Beispiel so aus:
- Die mehrstufige Produktleiter, Angebotspyramide, Treppe oder wie man sie auch nennen möchte, die meist aus drei bis fünf aufeinander aufbauenden Produkten besteht. Jede Stufe ist Unterstützung für ein Teilstück des Weges, bei dem Kund*innen sich Hilfe wünschen.
- Das waagerechte Produktportfolio, in dem mehrere Angebote auf einer Stufe nebeneinander stehen. Sie werden nicht nacheinander durchlaufen, sondern können gleichzeitig genutzt werden bzw. treffen die Kund*innen eine Auswahl, was sie gerade am meisten anspricht.
- Die saisonale Angebotsstruktur mit übers Jahr wechselnden Angeboten gleicher Art, z.B. Frühlings-Workshops, Sommer-Workshops etc.
- Die modulare Angebotsstruktur, bei der Kund*innen sich ihr eigenes Paket aus verschiedenen Modulen zusammenstellen.
Ein Beispiel:
Ich kann mich als Mentorin für Marketingtexte und Sichtbarkeitsmut zum Beispiel für eine mehrstufige Angebotsstruktur entscheiden, bei der meine Kund*innen einen Weg von Punkt A über Punkt B und C bis zu dem von mir gesetzten Endpunkt durchlaufen.
Sie starten zum Beispiel mit ihrer Kernaussage, dem Elevator Pitch in meinem ersten Produkt, dem Elevator-Pitch-Kurs. Anschließend bauen sie sich ihre Sichtbarkeit auf inkl. Website und Blog (dabei hilft meine Sichtbar-ohne-Marktgeschrei-Suite). Schließlich wünschen sie sich Unterstützung beim Dranbleiben, weil ihr eigenes Marketing sonst hinten runterfällt. Diese holen sie sich im Content-Club.
Ich könnte aber auch sagen, dass ich lieber Produkte haben möchte, die nebeneinander stehen. Möglich wäre das zum Beispiel über Workshops, in denen ich in einem Workshop vermittle, wie man kundennah schreibt, in einem anderen, wie man suchmaschinenoptimiert schreibt etc.
Oder ich sage: Ich fokussiere mich voll und ganz auf ein einziges Produkt, eine einzige Dienstleistung und das ist die einzige Möglichkeit mit mir zu arbeiten.
Natürlich gibt es Mischformen, aber der Großteil der Angebotsstruktur passt in der Regel in einen solchen Rahmen.
Du siehst: Grundsätzlich ist die Anzahl der Angebote nicht nach oben hin begrenzt, sonst würden Seiten wie Amazon wohl gar nichts verkaufen. Tun sie aber.
Deine gewählte Angebotsstruktur gibt aber eine Richtung an, wie groß dein eigenes Portfolio werden kann. Ein Signature Angebot verwässert in seiner Präsenz und Klarheit, wenn du ihm 20 Nebenprodukte an die Seite stellst. Eine Produktleiter wird unübersichtlich, wenn es nicht nur Stufen, sondern auch halbe Stufen etc. gibt.
Als Dienstleistende*r kannst du sagen: Ich spezialisiere mich auf diese eine Sache, oder aber du stellst deiner Kern-Expertise noch begleitende Produkte vorweg bzw. nach.
12 Anzeichen, dass du zu viele Angebote hast und aussortieren solltest
Nun ist es erfahrungsgemäß ganz oft so, dass eine Angebotspalette nicht stillsteht, sondern sich mit dir und deinem Business entwickelt. Sprich: Es kommen auf ganz natürliche Weise neue Angebote dazu. Entweder, weil deine Kund*innen dir einen Bedarf gemeldet haben, weil du selbst Lust auf neue Angebote hast, weil alte Angebote nicht mehr so laufen etc.
Das ist okay, birgt aber die Gefahr, dass sich mit der Zeit (oder mit den Versuchen endlich DAS eine Mega-Ding zu finden, das dir alle aus den Händen reißen werden) zu viele Angebote ansammeln. Zu viel ist immer schwierig, wenn es unverständlich und verwirrend wird. Vielleicht hast du schon mal vom psychologischen Phänomen des Paradox of Choice gehört, das besagt, dass bei einer zu großen Produktauswahl die Kaufwahrscheinlichkeit sinkt, weil die Menschen sich nicht entscheiden können.
Solange es für dich passt und nach außen hin klar ist, kannst du viele Angebote haben. Solltest du aber eins der folgenden Anzeichen bemerken, wird es Zeit, mit einem prüfenden Blick zu checken, ob du nicht doch ein paar Produkte rausnehmen solltest, um wieder klarer aufzutreten.
Anzeichen 1: Deine Website ist unübersichtlich
Sofern du keinen Onlineshop betreibst, hat deine Website in der Regel ein Menü, in dem deine Angebotsseiten auftauchen.
- Wird dieses Menü so lang, dass es nicht mehr auf den Bildschirm passt (auch auf den Handybildschirm), ist es zu viel.
- Sind die Angebote so vielseitig und bunt, dass du sogar mehrere Menübäume mit 10+ Angeboten hast, ist es auch sehr viel.
- Hast du so viele Angebote, dass sie gar nicht auf die Website passen, ebenso.
- Und verlinkst du auf der Startseite zu Angebot 1-4, im Menü zu Angebot 5-8 und auf den Unterseiten zu Angebot 8a, 8b, 9 und 10 – du ahnst es wahrscheinlich – ebenso.
Klarheit ist auf deiner Website das A und O, damit sie dir beim Verkaufen hilft. Ist die Website unübersichtlich, besteht deshalb Handlungsbedarf.
Tipp: Einen ersten Check kannst du schnell durchführen. Bitte eine andere Person mal unvoreingenommen auf deine Website zu gucken. Weiß sie sofort, wo sie klicken würde oder ist sie unsicher? Letzteres signalisiert dir, dass du optimieren kannst und solltest.
Anzeichen 2: Du bekommst ständig Signale der Verwirrung
Kommen vielleicht schon von außen Zeichen der Verwirrung beim Besuch deiner Website, ist auch das ein wichtiger Hinweis. Wenn so eine Frage, welches deiner Angebote nun das richtige sei, mal kommt, weil jemand wirklich sichergehen will, ist das kein Thema. Aber sobald sich die Fragen häufen, solltest du aufhorchen, denn entweder sind es dann zu viele Angebote, oder die Angebotsseiten nicht klar und unterscheidbar genug geschrieben.
Anzeichen 3. Angebote kannibalisieren sich gegenseitig
Was ganz häufig passiert ist, eh man sich versieht, ist dass Angebote sich gegenseitig überflüssig machen und gewissermaßen kannibalisieren. Wenn du mehrere Angebote hast, die das identische Nutzenversprechen haben, macht es Sinn dich für eins von ihnen zu entscheiden und das andere zu streichen. Oder zumindest zu prüfen, ob du am Versprechen in der Angebotskommunikation arbeiten kannst. Denn wenn sich mehrere deiner Angebote stark ähneln, machen sie sich aus Sicht des Kunden gegenseitig Konkurrenz und im schlechtesten Fall nimmt die Person dann keins von beiden.
Jedes Angebot sollte auf den ersten Blick aussagen: Ich bin für xy gut. Und wenn ein zweites dasselbe sagt, ohne sich glasklar zu unterscheiden (zum Beispiel durch ein unterschiedliches Format, etwa einmal Selbstlernkurs vs. Mentoring zum selben Ziel), wird es zu kompliziert.
Anzeichen 4: Deine Customer Journey hat zu viele Umwege
Gerade wenn du mit thematisch aufeinander aufbauenden Produkten arbeitest, solltest du dir für dich selbst einmal klar überlegen: Wo beginnt meine Unterstützung und wo endet sie? In der Realität ist es natürlich ganz normal, dass Themen ineinanderfließen und es keine ganz scharfe Trennlinie gibt. Sobald dein Angebotsportfolio aber schwammig wird, wird es unklar und verwirrend. Und verkauft schlechter.
Beispiel: Ich bekomme immer wieder Anfragen, ob ich auch bei der Technik unterstütze, die bei Themen, die ich vermittle, z.B. Website-Texte, Bloggen etc. nötig ist. Klar wäre das ein zusätzlich denkbares Angebot, aber ich habe für mich festgelegt: Ich begleite beim inhaltlichen Prozess des Sichtbarwerdens von der klaren Kommunikation der Positionierung bis zum regelmäßigen Marketing. Nicht vorher, zum Beispiel beim Schreiben des Businessplans, nicht nachher, zum Beispiel bei der Expansion ins Ausland, wenn es richtig gut läuft. Und eben auch nicht bei der Technik. So kannst du das auch für dein Business machen und dadurch viel Klarheit reinbringen, wann jemand bei dir richtig ist und wann nicht.
Anzeichen 5: Dein Umsatz leidet oder sinkt
Auch wenn es paradox klingt, können zu viele Angebote Grund für zu wenig Umsatz sein. Das beobachte ich zum Beispiel beim gegenwärtigen Trend der Miniprodukte. So schön Miniprodukte sind: Wenn du nur noch Miniprodukte verkaufst, kommst du schwer auf den benötigten Umsatz, sofern du nicht gleichzeitig eine riesengroße Reichweite aufbaust. Denn Miniprodukte sind tolle Starter. Nur wenn deine Kund*innen Miniprodukt nach Miniprodukt kaufen, aber nie in deine größeren Angebote wechseln, hast du sehr viel Arbeit für überschaubaren Umsatz. Denn grundsätzlich braucht ja jedes Produkt die gleiche Basis: Produktversprechen, Produktinhalte, Auslieferung des Produktes, Marketing fürs Produkt etc. Das kann zwar bei kleinen Produkten ein bisschen geringer ausfallen als bei großen, aber so einen großen Unterschied im Aufwand macht das gar nicht.
Wenn du also merkst: Meine Umsatzbringer bleiben leer und werden zu wenig gekauft, kann es sein, dass du ein paar kleine Angebote rausnehmen solltest.
Anzeichen 6: Deine Angebote liegen nur rum
Dieses Anzeichen habe ich selbst bei mir bemerkt, als ich meinen letzten Angebots-Check gemacht habe. Ich hatte mein Portfolio übers Jahr so sehr erweitert, dass ich beim Marketing nicht mehr jedem Produkt gerecht wurde. Einige lagen dann tatsächlich nur rum und ich verrate dir wahrscheinlich kein Geheimnis, wenn ich dir sage, dass Angebote ohne Marketing sich deutlich schlechter verkaufen als solche, die du regelmäßig bewirbst.
Wenn du so etwas bemerkst, empfehle ich dir zu handeln und dich von einigen deiner Angebote zu verabschieden, auch wenn sie an sich nicht schlecht oder veraltet sind.
Anzeichen 7: Du sitzt im Marketing-Hamsterrad
Nicht nur der Umsatz ist ein Anzeichen für ein zu großes Produkt-Portfolio, sondern auch dein Stresslevel ist es. Wenn du viele Angebote hast und beim Marketing, geschweige denn der Erstellung des begleitenden Contents wie Onboarding, Offboarding, begleitende Mails etc., nicht mehr hinterherkommst, ist es zu viel. Denn noch mehr zu rödeln, um irgendwie alles mal erwähnt zu haben, bringt nur noch mehr Stress. Fokussiere dich lieber auf etwas weniger Angebote, denen du dafür aber die notwendige Aufmerksamkeit geben kannst.
Anzeichen 8: Du verzettelst dich beim Verkaufen
In meinem Geschäftsmodell begegne ich diesem Anzeichen immer wieder. Wenn du mit zeitlich begrenzten Aktionen oder mit Launches arbeitest und dich fragst: „Wann soll ich was verkaufen“, weil das Jahr zu wenig Monate für deine ganzen Produkte hat, besteht Handlungsbedarf. Ich hatte zum Beispiel mal den Fall, dass ich zwei Angebote gleichzeitig gelauncht habe und zusätzlich noch ein „geheimes“ Angebot im Hintergrund für einige Kontakte laufen hatte. Das war Verzettelungs-Gefahr hoch 10 und zudem nicht sehr verkaufsfördernd, weil einige nicht wussten, ob sie nun Produkt 1 oder 2 kaufen sollen. Wenn du mit Marketingkampagnen arbeitest, gehört der Fokus im Idealfall immer einer Sache; das macht es wesentlich leichter. Natürlich kannst du auch mal andere Angebote einstreuen, aber Laserfokus auf zwei verschiedene Produkte zur gleichen Zeit ist super anstrengend und schwierig.
Anzeichen 9: Du weißt im Kennenlerngespräch nicht, was du empfehlen sollst
Wenn du im Kennenlerngespräch sitzt und ganz viele Möglichkeiten hast, was du deinem Gegenüber empfehlen könntest: deine Quick-Beratung wäre ein Anfang, das Intensiv-Coaching eh gut, grundsätzlich ginge auch der Nur-Telegram-Support, oder er könnte auch dein Ebook lesen und einen einzelnen Call dazubuchen oder, oder oder…
… dann ist es Zeit zum Entrümpeln. Denk ans paradox of choice: Mehr Möglichkeiten sind wider Erwarten kein besserer Dienst am Kunden und auch kein Umsatzbooster, sondern genau das Gegenteil.
Das heißt natürlich nicht, dass du nicht auch mal von deinem Portfolio abweichen kannst, wenn eine besondere Anfrage kommt. Aber wenn du öfter stockst, weil du zu viele Dinge empfehlen könntest, ist das nicht optimal und zeigt ganz klar: Hier solltest du ran.
Anzeichen 10: Dein Kalender ist überfüllt
Hier ein bisschen, da ein bisschen, Termine für verschiedene Gruppen, Arbeitszeit an verschiedenen Produkten – da wirst du sehr schnell zum Jongleur, der viel zu viele Bälle in der Luft halten möchte. Ist dein Kalender zu voll, muss das natürlich nicht sofort heißen, dass du zu viele Angebote hast. Es kann auch sein, dass es Zeit für eine Preiserhöhung und/oder Skalierung ist. Aber sind es zu viele Klein-klein-Angelegenheiten, die man an sich auch bündeln könnte, lohnt sich ein prüfender Blick auf deine Angebote.
Anzeichen 11: Du hast administratives Chaos
Kunde 1 hat das Quick-Coaching gebucht und bekommt nur den Quick-Fragebogen mit drei Fragen, Kunde 2 das 3-Monats-Coaching mit dem großen Fragebogen und zusätzlich dem Zugang zum Onlinekurs, Kunde 3 hat den Onlinekurs und braucht den Link zum Terminkalender zusätzlich etc. Wenn du zu viele verschiedene Angebote hast mit jeweils individuellen Folgeprozessen, verschiedenen zu vergebenden Zugängen etc. check mal, ob der Unterschied wirklich notwendig ist, oder du dich auf weniger Produkte mit dann natürlich auch weniger daran hängenden Prozessen fokussieren könntest.
Alternative: Automatisieren, aber auch Automationen wollen gepflegt werden.
Anzeichen 12. Deine Positionierung verschwimmt
Himmel, hier muss ich selbst auch immer dermaßen aufpassen, auch wenn das nach außen (zum Glück!) nicht so sichtbar ist. Die typische Falle ist hier, es allen recht machen zu wollen und in die tapse ich auch nach all den Jahren Selbstständigkeit immer noch flott mal rein. Da erstellst du noch einen zusätzlichen Minikurs hier, einen Guide da, die aber dann vielleicht gar nicht mehr sooo viel mit deinem Kernthema zu tun haben, aber für deine Kund*innen gerade hilfreich wären. Vorsicht, denn wenn du diese Angebote auch noch auf deine Website packst, droht deine Positionierung zu verwässern.
Und dann ploppt bei jemandem, der zum ersten Mal auf deiner Website ist, ratzfatz die Frage auf, wofür du wirklich stehst. Durch die entstandene Angebotsvielfalt kann dich dann niemand mehr klar zuordnen. Und sobald du einmal unklar positioniert bist, rauscht die Sichtbarkeit ratzfatz in den Keller.
Tipp: Was enorm hilft, ist eine klare Kernaussage. Die signalisiert nämlich nicht nur nach außen, wofür du stehst, sondern auch dir selbst ruft sie immer wieder in Erinnerung, welches Spielfeld du dir ausgesucht hast.
Wenn ich wieder drauf und dran bin irgendwas zu ergänzen, spreche ich meine Kernaussage laut aus. Und dann kann ich entscheiden, ob ich es sein lasse, oder ein Angebot zum „Hinterzimmerangebot“ mache, das nur Bestandskunden sehen, damit es meine Positionierung vorne im Schaufenster (der Website) nicht verwässert.
Kennst du eines oder mehrere dieser Anzeichen? Dann lass uns nun ansehen, wie du konkret vorgehen kannst, um dein Angebotsportfolio zu entrümpeln, ohne deinen Umsatz zu gefährden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So sortierst du Angebote aus, ohne dein Business zu gefährden
Wenn du festgestellt hast, dass es besser wäre einige Angebote zu streichen, um eine klarere Produktstruktur zu haben, stellt sich nur noch die Frage: Welches Angebot sollst du weglassen, welches behalten?
Ich teile mit dir den Prozess, wie ich vorgehe, wenn sich wieder mal zu viele Angebote angesammelt haben.
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Bestandsaufnahme machen: Welche Angebote hast du?
Im ersten Schritt schreibe ich mir alle Angebote auf, die ich derzeit habe. Und zwar sowohl die, die auf der Website stehen, als auch die, die es auf Nachfrage gibt, die noch irgendwo in einem Kursbereich verlinkt sind oder die, die manchmal auf der Seite sind und manchmal nicht. Alles, was ich anbiete, darf einmal gemeinsam auf einem Zettel landen.
Falls du keine bestimmten Produkte oder sogenannte „productized services“, also Services nach einem klar definierten Rahmen, hast, kannst du dir auch notieren, welche individuellen Angebote du am häufigsten machst.
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Umsatzbringer und Lieblings-Angebote identifizieren
Dein Portfolio zu verschlanken soll ja nicht bedeuten, dass du auch deinen Umsatz reduzierst, sondern ganz im Gegenteil. Um das zu vermeiden, streiche also am besten nicht einfach wahllos ein Produkt raus und ein anderes bleibt drin, sondern stelle sie auf den Prüfstand:
- Welches Angebot bringt dir den meisten Umsatz?
- Mit welchem Angebot machst du leicht Umsatz, ohne viel Aufwand zu haben, weil es sich quasi von selbst verkauft?
- An welchem Angebot hängt dein Herz? Falls es ein Umsatzbringer ist, umso besser. Falls nicht, kannst du während des Checks gleich schauen, ob und wie du deinen Favoriten umstrukturieren kannst, dass er das Potenzial zum Umsatzbringer hat.
- Die Angebote, die weder Umsatzbringer sind, noch dir besonders wichtig, sind schon mal heiße Kandidaten für die Liste der gestrichenen Produkte. Bei meinem letzten Check waren das z.B. einige Minikurse. Ein Minikurs hat sich als absolut bester Türöffner erwiesen, weswegen ich die anderen aus dem Menü und Portfolio entfernt habe.
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Produkte auf deine Customer Journey legen
Insbesondere dann, wenn du Menschen über ein etwas längeres Wegstück begleitest und nicht nur in einer kleinen, sehr eng definierten Nische, lohnt sich, deine Produkte auf die Kundenreise in deiner Welt zu legen und nach möglichen Dopplungen oder Lücken zu schauen.
Beispiel: Bei mir starten die meisten Kund*innen mit ihrer Kernaussage oder ihrer Website. Anschließend wollen sie sichtbarer werden und auch bleiben.
Es wäre natürlich ungünstig, wenn ich nun mein Produkt zum Schreiben der Website-Texte entfernen würde, weil dann eine Lücke im ganzen Weg klaffen würde. Verwirrend wäre es hingegen, wenn ich fünf verschiedene Produkte für das Wegstück „Website-Texte schreiben“ hätte, aber keins für den Part „Sichtbarkeit aufbauen“.
Prüfe auch du deine Kundenreise und identifiziere, welche Angebote bleiben sollten und welche gehen können.
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Überschneidungen prüfen
Nun hat sich das Portfolio meist schon etwas ausgedünnt. Checke anschließend noch, ob und wenn ja, wo es Überschneidungen zwischen den Produkten gibt. Doppelt sich etwas, entscheide dich für eine der Optionen.
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Verkaufswege mitdenken
Prüfe im Anschluss noch, wie du die übriggebliebenen Produkte verkaufst. Hier kann es sein, dass du feststellst, dass du immer noch zu viele Produkte hast, um ihnen allen ein ausreichend starkes Marketing an die Seite zu stellen. In dem Fall heißt es wieder: Angebote reduzieren oder Verkaufswege anpassen.
In meinem Fall zum Beispiel habe ich mich bei einem Produkt entschieden, es nicht mehr in der vorher geplanten Häufigkeit zu launchen, sondern einen Evergreen-Verkaufs-Funnel aufzubauen. In den Launches rücken stattdessen zwei andere Produkte in den Fokus.
Es kann auch sein, dass du die Angebote saisonal aufteilst, Angebots-Bundles schnürst oder, oder, oder.
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Entscheidung treffen und nicht mit ihr hadern
Der vielleicht wichtigste Schritt ist dieser. Die beste Planung kann uns nämlich nicht garantieren, dass unser Plan aufgehen wird. Das wirst du nur erfahren, wenn du dem Plan eine Weile treu bleibst und ihn auch umsetzt.
Deshalb: Sieh dir deine Liste an: Welche Angebote bleiben? Welche gehen?
Stimm diesem Ergebnis nochmals zu. Und dann mach weiter, bevor die Zweifel lauter werden, es doch lieber ganz anders zu machen.
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Änderungen umsetzen und auf der Website sichtbar machen
Auch wichtig: Hast du deiner eigenen Entscheidung zugestimmt, dann setze abschließend noch die notwendigen Veränderungen in deinem Außenauftritt um. In meinem Fall waren das zum Beispiel Änderungen an der Website: Das Menü wurde verschlankt und Verlinkungen zu Kursen, die weggefallen sind, entfernt. Auch intern gab es einige Änderungen, z.B. wegfallende Automationen und Onboarding-Prozesse.
1, 3 oder 10 Angebote? So findest du DEINE ideale Zahl
Mit der oben genannten Schritt-für-Schritt-Anleitung kannst du dein zu groß gewordenes Angebots-Portfolio verschlanken und wieder übersichtlicher machen.
Aber welche Menge an Angeboten ist denn nun die beste? Sollten Solo-Selbstständige nur ein Angebot haben, oder drei oder doch zehn?
Wie ich eingangs schon erwähnte, gibt es nicht DIE eine Lösung für alle, kein One-fits-all. Es gibt Menschen, die mit einem einzigen Signature-Angebot happy und erfolgreich sind und solche, die zig kleine Miniprodukte anbieten und das lieben. Strenge Vorgaben gibt es also nicht.
Du kannst dir aber einige Fragen stellen, um DEINE perfekte Anzahl herauszufinden.
10 Fragen, die dir helfen, deine optimale Produktanzahl zu finden.
- Für welches Angebot möchtest du in erster Linie bekannt sein?
- Wie fühlst du dich beim Gedanken nur dieses Angebot zu haben? Gut? Fehlt etwas? Welche Anzahl fühlt sich innerlich ruhig, klar und machbar an – und welche erzeugt Druck oder Unruhe?
- Wie begleitest du gerne? Selfstudy-Inhalte zur Verfügung stellen? Gruppen begleiten? 1:1? Etwas für andere umsetzen?
- Wie setzt sich dein Umsatz zusammen? Welche Angebote machen deinen Umsatz aus?
- Wie hoch ist das Risiko, wenn eines deiner Angebote nicht mehr gefragt sein könnte?
- Wenn du alles neu aufbauen würdest: Welche Angebote würdest du wieder anbieten?
- Wie wichtig ist dir, neue Dinge ausprobieren zu können? (Wenn du gerne Dinge ausprobierst, ist ein einziges Angebot eher riskant, weil du bei einem Fehlversuch dein gesamtes Umsatzfundament gefährden würdest)
- Wie klar kannst du den Kundennutzen und die Zielgruppe jedes deiner Angebote benennen?
- Wie geht es dir, wenn du im Kennenlerngespräch drei Angebote im Hinterkopf hast, die du empfehle könntest? Oder eins? Oder zehn?
- Wie viele Angebote kannst du realistisch gleichzeitig pflegen, betreuen, vermarkten etc. ohne auszubrennen?
Ein Zeichen, dass du die für dich richtige Anzahl gefunden hast, ist die Balance aus wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit und deinem emotionalem Ja. Was ist wirtschaftlich notwendig, um dein Umsatzziel zu erreichen? Was fühlt sich machbar an, was überfordernd?
Und: Gönn dir, dass diese Entscheidung nicht für immer sein muss. Ich bin auch so ein Typ, der zwischen Stabilität und Ausprobieren pendelt und das ist okay: Ich arbeite deshalb mit einigen sehr konstanten Angeboten, die über Jahre bleiben und immer wieder kommt mal was dazu, bei dem sich zeigen darf, ob es für kurz oder länger gekommen ist. Du kannst ganz anders sein: Wie es zu dir passt, ist es gut.
Erlaube dir also unbedingt, dass du deine Meinung später auch ändern darfst. Dass das, was heute optimal passt, in fünf Jahren vielleicht nicht mehr passt. Das ist vollkommen okay. Wir sind und bleiben ja alle in Bewegung und die Welt auch. Wir können heute noch nicht wissen, welche Anforderungen die Welt morgen an unsere Kund*innen und uns stellt und deshalb ist es auch okay, wenn wir morgen darauf reagieren, gleichwohl, was wir heute entscheiden.
Klarheit vor Chaos: So wirkt dein Portfolio jederzeit aufgeräumt
Am allerwichtigsten sind aus meiner Sicht zwei Dinge:
- Überall herrscht – mal mehr, mal weniger – innere Unklarheit! Nur weil andere Businesses unfassbar strukturiert und aufgeräumt wirken, heißt es nicht, dass sie das auch sind. Du siehst nie, was hinter den Kulissen passiert.
- Halte dein Schaufenster übersichtlich, dann darf es im Lager auch mal chaotisch zugehen. Sprich: Sorge dafür, dass deine Website klar bleibt. Dann ist es okay, wenn du überlegst, ob du was an deiner Angebotsstruktur ändern solltest. Dann ist es okay, wenn du nebenbei neue Dinge ausprobierst. Solange dein Schaufenster übersichtlich ist, ist das mindestens die halbe Miete.
So und nun viel Freude mit deinem Angebots-Portfolio! Wenn du deine Angebote parat hast, dir aber noch die Menschen für eine Zusammenarbeit fehlen, lies gern hier, wie du ganz ohne Marktgeschrei deine eigene Sichtbarkeit aufbauen kannst.






